Ein guter Anlass also, mal wieder von sich hören zu lassen. Nachdem ich also gerade mit einem Nachbarkind ein wenig Englisch gelernt habe (auch hier wieder ein denkwürdiger Moment, wie so oft: In einem Arbeitsheft sollte sie mit "Yes" oder "No" auf die Frage antworten, welche von den gezeigten Dingen sie besitze. Die Abbildungen zeigten eine Kamera, einen Computer, einen Fernseher, eine Armbanduhr et cetera. Während sie (außer beim Fernseher) jedes mal ein dickes "No" runtersetzte, hatte ich mal wieder das mulmig-unschöne Gefül, wie "gut" es mir doch wirklich geht), ging ich nach Hause um erneut ein wenig über das kunterbunte Treiben hier zu berichten:
Denn, ja, es gibt mal wieder viel zu erzählen. Aber chronologisch: In den letzten zwei Wochen ging ich vormittags immer in eine Art Gymnasium um dort einen Einblick in das Alltagsleben an einer dominikanischen staatlichen (!) Schule zu bekommen. Was soll ich sagen; es ist laut, ungeplant und - so drastisch muss man es leider sagen - einfach schlechter Unterricht. Jedenfalls, was ich erleben durfte. Die Art des Unterrichtes hängt stark vom Lehrer ab. Ist er autoritär, wird still gesessen und befolgt, was er für Anweisungen gibt. Ist er es nicht, wird gebrüllt, mit Sachen geworfen, aus dem Klassenzimmer gegangen, Rangeleien angefangen, den Lehrerinnen an den Hüftspeck gepackt etc pp. Ich hatte das Vergnügen 3x Französischunterricht zu erleben und habe in dieser Zeit nicht ein französisches Wort gehört, da sich die Lehrerin vorne mit den Schülern unterhalten hatte und der Rest so ziemlich alles mögliche machte, nur eben nicht zuhören. Wenn es dann aber mal ein Lehrer schafft, die Schüler ruhig zu halten, ist der Unterricht auch nicht unbedingt besser. In Chemie durfte ich die gute Dame verbessern, da diese die "CH3"-Gruppen in die Mitte einer Kette und die "CH2"-Gruppen an das Ende einer Verbindung packte und in Spanisch durfte ich mir 30x (von jedem Schüler einmal) die gleiche auswendig gelernte Definition einer "freien Diskussion" anhören. Eine Definition zu einer freien Diskussion auswendig lernen ist an sich schon so absurd, dass ich die Ironie dieser Tatsache glaube ich gar nicht mehr groß ansprechen brauche. :) Auch geht hier die Schule nur von 8.00 - 12.20, da dem Bund die finanziellen Mittel fehlen und um 13.00 schon der nächste Block an Schülern angerollt kommt. Da soll sich nochmal jemand über das deutsche Schulsystem beschweren.
PS.: Neue Fotos wurden hochgeladen! :)
Am Donnerstag vor zwei Wochen durfte ich dann auch zum ersten Mal eine Politikveranstaltung erleben. Ich bin um 11 von der Schule gegangen, da in der Nähe der nächste Präsidentschaftskandidat der PLD (eine der zwei großen Parteien hier) erscheinen sollte um dort eine Rede zu halten: Danilo Medina. Viel verstanden habe ich leider nicht, aber das drumherum war herrlich anzuschauen. Es wurde getrommelt, getanzt, gesungen, gefeiert - und alle waren in den Parteifarben (lila & gelb) gekleidet. Außer mir natürlich, denn mein Entschluss, diese Veranstaltung zu besuchen, kam ja relativ spontan. Dass ich dann aber natürlich ausversehen auch noch die Farben der ärgsten Konkurrenzpartei trug (blau & weiß), sorgte für zusätzliche Verwunderung.
Das Wochenende (23.9-25.9) war dann vollgepackt mit Ausflügen. Am Samstag ging es mit Freunden zuerst Essen, dann in einer Art Motorradkarawane (zu 11 auf 5 Motorrädern. Was passt hier nicht? Richtig, Monika, Ich und ein dominikanischer Freund durften zu dritt auf ein Motorrad. Hatte schon mal geräumigere Fahrgelegenheiten :) ) in ein Schwimmbad und letztendlich dann Feiern in Salcedo. Am darauffolgenden Sonntag ging es dann nach sehr, sehr wenig Schlaf um sechs Uhr aus den Betten, denn es stand der erste Ausflug an das Meer auf dem Tagesplan. Viel gibt es dazu nicht zu sagen, außer dass es ein sehr schöner Tag war. Am Nachmittag wurde mir dann jedoch fast noch die Laune verdorben. Wir waren zum Abschluss noch an einem weiteren Fluss gefahren und ich wurde prompt von einem angetrunkenen Dominikaner in ein Gespräch gewickelt. Nach dem üblichen Smalltalk wollte mir der gute Mann dann seine Cousine andrehen und ließ sie dann sogar von zwei Männern herschleppen. Ich habe mich selten so unwohl gefühlt. Diese Cousine wollte offensichtlich nicht mit mir reden (genauso wenig wie ich mit ihr), wurde aber von ihrem Onkel hergeschleppt, damit ich diese dann heiraten und sie mit mir eine bessere Zukunft haben kann. Wie auf einem Kamelmarkt wurde mir das Mädchen (circa 15 Jahre alt) dann angeboten, sodass es mir irgendwann zu viel wurde und ich einfach weggeschwommen bin. Diese Verhaltensweise (des Wegdrehens/Ignorierens) muss man hier oft an den Tag legen, da man teilweise schon sehr oft und penetrant nach Geld/Alkohol oder eben sonstigen materiellen Dingen gefragt wird. Hierbei darf man dann aber natürlich auch nicht den dominikanischen Stolz verletzen, sodass es immer ein kleiner Drahtseilakt ist, nicht zu europäisch-arrogant aber eben auch nicht zu verschüchtert zu wirken.
Sonst ist nicht all zu viel passiert. Ich hatte in der darauffolgenden Woche angefangen Fußball zu spielen, war Pokern, Abendessen mit den anderen Freiwilligen und unserem Spanischlehrer und hatte dann noch einen dominikanischen Freund besucht, der einen Autounfall hatte. Ihm geht es gut nur der anderen beteiligten Person nicht wirklich. Gerüchten zu Folge ist diese Person in der letzten Nacht nämlich ihren Verletzungen erlegen, was gleichbedeutend heißt, dass ich mich (und andere Personen auch nicht) momentan nicht in die Nähe von meinem dominikanischen Freund begeben sollte, da die Lage hier in Villa Tapia recht angespannt ist. Niemand weiß so recht (oder will es einem nicht sagen), was bei diesem Unfall tatsächlich passiert ist, aber eine Mischung aus Alkohol und fehlenden Sicherheitsbestimmungen (->Helmpflicht?) wird es wahrscheinlich gewesen sein.
Das letzte Wochenende waren wir dann mal wieder feiern, diesmal in Moca, einer etwas weiter entfernten Stadt. Wir haben es verwunderlicherweise geschafft, 8(!) Personen in ein Auto zu quetschen. Ein Auto, welches auch nicht sonderlich viel geräumiger als der Fiat Panda meiner Mutter ist. Auch hier wieder: Ich bin schon mal geräumiger gefahren, aber lustig war es auf jeden Fall. Worte über den Abend will ich auch gar nicht verlieren, nur dass es mich teilweise stark an die Berliner Mittwochabende im Q-Dorf oder auch die Abifahrt nach Lloret erinnert hat. :)
Genauere Informationen zum Projekt habe ich leider weiterhin nicht, aber die werde ich wohl morgen bekommen. Bis dahin, liebe Grüße!
PS.: Neue Fotos wurden hochgeladen! :)
an den fotos, finde ich, erkennt man wieder, warum du in die dom rep wolltest, oder? traumhafte bilder (abgesehen davon dass du scheinbar ein recht talentierter photoshopper/gimper oder fotograph bist...)
AntwortenLöschenbritta
Wir haben mit Interesse deinen Bericht gelesen und tw. herzlich gelacht. Liebe Grüße aus AUS.
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