Dienstag, 20. September 2011

3. Die ersten zwei Wochen

Ich sitze hier gerade auf der Veranda bei weiter unangenehm schwülen Temperaturen. Zu allem Überfluss hat sich vor 3 Tagen auch noch mein heißgeliebter Ventilator verabschiedet (-> kaputt), was die Schlafsituation nicht unbedingt simpler macht. Dennoch muss man sagen, dass ich mich zumindest ein wenig akklimatisiert habe. Die Mosquitostiche haben meine Beine mittlerweile komplett verschandelt aber auch diese nehmen (glaube ich) ein wenig ab.


Die letzten Tage waren weiterhin vollgepackt und erlebnisreich. So durfte ich am Mittwoch zum ersten Mal mit Kakaopflanzen und Zuckerrohr in Berührung kommen, am Donnerstag in der nächstgrößeren Stadt Santiago de los Caballeros umherwandern, am Freitag im wunderschönen Fluss "Ojo de Agua" schwimmen, Samstag Salcedo am Abend kennen lernen (inklusive irgendwelcher Warnschüsse gegen Mitternacht) sowie gestern das Nachtleben von Villa Tapia ein wenig kennen lernen. Gerade letzteres findet nämlich ein wenig anders statt, als man es von Berlin gewohnt ist. Bevor man sich zu Clubs oder sonstige Aktivitäten aufmacht, trifft sich die gesamte Jugend nämlich nicht bei irgendwelchen Leuten Zuhause oder in einzelnen Gruppen in der ganzen Stadt verteilt, sondern am zentralen Platz ("el parque"), der von Bars, Restaurants und Billardtischen gesäumt ist. Musik wird entweder in den anliegenden Bars abgespielt, oder man wird von den externen & riesigen Autoboxen der SUVs beschallt, die sich vielfach auf dem Platz befinden. Gespielt wird eine relativ angenehme Mischung aus Qdorf-Musik und Reggaeton/Merengue. Man gewöhnt sich eben doch irgendwie an alles. Dass ich mich mal freuen würde, ein David Guetta - Lied zu hören, hätte ich mir vor einem Monat auch noch nicht gedacht. Allgemein ist Musik hier sowieso sehr präsent. Sei es Merengue/Bachata-Musik aus den überall präsenten kleinen Straßenläden oder die House/Electro/Reggaeton-Mischung von den riesigen Lautsprecherboxen der vielen Autos hier. Ob am Fluss, in der Stadt oder Zuhause - Musik nimmt hier meines Erachtens nach einen viel höheren Stellenwert ein als in Deutschland. 


Das war es auch erstmal wieder. Ich könnte noch so viel schreiben, sei es über die bereits von mir bemerkten schwierigen Verhältnisse zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik, meine erste Guagua-Fahrt, meine Familienverhältnisse, meine immer noch grausamen Spanischkenntnisse etc. pp. Aber ich merke schon, wie meine Motivation diesen Blog zu betreiben - wie erwartet - leicht sinkt. :) Außerdem prasseln hier in den ersten Wochen noch so viele Eindrücke auf einen ein, dass es noch ein wenig dauern wird, bis man diese eingeordnet und verarbeitet hat. Desweiteren will man ja auch nicht seine fleißigen Leser (vielen Dank für die vielen positiven Kommentare bei facebook/im Kommentarbereich/per Email et cetera) mit zuviel Text vergraulen.


Hier aber noch ein kleines Bild meiner am gestrigen Tag erlegten faustgroßen Zimmerkollegin:



 Ich war relativ überrascht, als ich die Gute an der Wand hängen saß und sie - nachdem ich sie liebevoll mit Moskitospray eingesprüht hatte - nicht wie erwartet tot von der Wand fiel, sondern mit schnellen Schritten ihren haarigen Astralkörper unter mein Bett bugsierte. Diese Gegebenheit verringerte jetzt auch nicht unbedingt meine Antipathie gegenüber ihr, sodass ich sie dann nach einer hektischen Treibjagd von 10 Minuten endlich mit einer Ausgabe des Sterns erledigen konnte. Wusste ich doch, dass diese Zeitung (wenn man sie schon nicht ohne Ekel lesen kann) noch für irgendetwas gut ist. Normalerweise trage ich Spinnen und sonstiges Kleinvieh ja meist liebevoll in den Garten, aber bei solchen Viechern hört meine Gutmütigkeit auch mal auf. Ich bin frohen Mutes, dass es in der hiesigen Fauna nun langsam die Runde macht, dass ihr - sollte sie sich in mein Zimmer trauen - relativ entschlossen mit populistischer Wochenlektüre entgegen getreten wird



Und hier zum Abschluss noch ein paar Früchte; was ich hier in den letzten Wochen an Früchten probieren durfte, unglaublich. Seien es unfassbar leckere Bananen, im Garten wachsende Avocados oder sonstige exotische Früchte:



Lemonsillos heißen die, denke ich. Bild ist von einem anderen Blog geklaut.


Kakao mit Inhalt. Die Bohnen kann man lutschen oder zur weiteren Verarbeitung zermahlen.

Zuckerrohr - wird gekaut und der Rest dann ausgespuckt

1 Kommentar:

  1. DUDE! DAVID GUETTA RULZ!!
    http://www.youtube.com/watch?v=btypPwyjFIU
    Judith und ich fragen uns: Warum hast Du einen Stern in deiner neuen weit entfernten Heimat, wenn er gar so fürchterlich ist? Na, na???
    die große Schwester
    PS Die 10minütige Hetzjagd kann ich mir bildlich vorstellen...und erfreue mich daran.

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