Wie versprochen, hier der nächste Beitrag. Der April war wesentlich ereignisreicher als der März, standen doch u.A. eine Osterreise in den Süden der Dominikanischen Republik sowie das Treffens mit meinem Vaters in Südamerika an. Die Arbeit macht mir weiterhin unheimlich viel Spaß. Ich mache Familienbesuche im Kindergarten (immer wieder erschreckend, in was für Behausungen manche Familien untergebracht sind. Auch wenn sich, so hart das klingt, langsam eine Resistenz gegenüber solchen Eindrücken einstellt), leite meine drei Englischkurse am Montag und Dienstag (mit Vokabeltests und allem drum und dran :) ) und habe außerdem ab 3. Mai einen weiteren Englischkurs in Villa Tapia, der wohl jeden Donnerstag stattfinden wird.
Die Osterreise war sehr schön, wenn auch mit "nur" 3 Tagen ein wenig kurz. Eine sehr spröde und unerschlossene Landschaft erschließt sich einem, die jedoch umso traumhaftere Strände und Fischerorte (z.B. Paraiso - da sagt der Name schon alles Wesentliche) aufweisen kann. Da der Tourismus hier noch in keinster Weise vorgedrungen ist sowie der Boden wesentlich unfruchtbarer ist als zB im Zentrum des Landes, ist die Population hier tendenziell ärmer, was ja aber an sich auch nichts zur Sache tut.
Kaum kamen wir wieder im Zentrum des Landes an, gab es in den Tagen darauf einige Nachrichten zu verdauen. In meinem beschaulichen Villa Tapia beispielweise wurden zwei Frauen kaltblütig mit jeweils drei Schüssen erschossen. Die Haus der Beiden steht circa 30m von dem meiner Gastfamilie entfernt und ich grüßte die Damen ab und an auf dem Weg in das Fitnessstudio. Ich hatte zwar nichts von den Schüssen gehört, der Menschenauflauf am nächste Tag war jedoch unübersehbar. Da ich die beiden ja vom Sehen her kannte, war dies erstmal ein unschönes Gefühl. Auch die Tatsache, dass das dominikanische Fernsehen die getöteten Frauen sowie das mit mit Blut bespritzte Zimmer auf allen Kanälen zeigt, macht das Ganze nicht unbedingt schöner. Eine Unart, wie ich finde, die ich bisher nur im amerikanischen Fernsehen bemerkte. Es war wohl, wie so oft, ein Eifersuchtsmord eines Exfreundes. Da eine Getötete zugleich auch eine Exfreundin eines meines Gastbruders war, ist die Stimmung momentan ein wenig bedrückt in meinem Haus.
Verbunden mit anderen Ereignissen, ergibt dies eine momentane Sicherheitssituation, die nicht ganz so angenehm ist. So konnten wir Freiwilligen einmal nicht nach Salcedo/Villa Tapia zurück, weil größere Aufstände stattfanden, bei denen auch wieder zwei Menschen starben und die Stadt nicht wirklich von Außen betretbar ist. Es sterben immer wieder Menschen bei Aufständen und auch ich durfte es einmal erleben, dass Reizgas gar nicht mal so angenehm ist. Bei den Aufständen in Salcedo wird Reiz-/Tränengas generell in der ganzen Stadt verteilt und da ich mich einmal zu Zeiten einer "huelga" in einem Haus in Salcedo befand und das Reizgas durch die Fenster/Türspälte eintrat, durfte ich auch diese Erfahrung einmal machen.
Zusammen mit einer momentanen Entführung eines Politikers (?) aus Villa Tapia lässt mich das Ganze ein wenig ratlos zurück, sodass ich erstmals im Dunkeln nicht mehr durch Villa Tapia streife (was ich vorher ab und an gemacht habe, um Einkäufe zu erledigen, oder ich von Freunden zurücklief).
Ich sehe die Gefahr zwar nicht ganz so präsent, da ich wohl kaum Opfer eines Eifersuchtsmordes werde, aber man muss ja nicht unbedingt mehr Risiko eingehen als nötig.
Auch zur Zeit der Präsidentschaftswahlen Mitte Mai wurde uns Freiwilligen empfohlen in unseren Häusern zu bleiben, da die Zeit zur Wahl meist von Korruption (Leute lassen sich tatsächlich für eine Flasche Rum "kaufen") und die Zeit nach der Wahl meist von Unruhen/Ausschreitungen überschattet wird.
Es klingt zwar alles total absurd, ist aber leider einfach Realität. Man sieht also, hier ist immer irgendetwas los. :)
Desweiteren ist Mitte April die erste Gastmutter von Monika verstorben (Monika hatte ja die Gastfamilie aus anderen Gründen freiwillig gewechselt). Da wir diese Person alle sehr mochten, war dies ein weiteres unschönes Ereignis. Wie es nun genau zu dem Tod kam, weiß so recht niemand. Es wird aber vermutet, dass Ärzte bei einer Routineoperation (Zyste) gepfuscht haben, sodass "Dany" (so hieß sie) am Ende an einem perforierten Darm gestorben ist. Da die Familie jedoch kein Geld besitzt, kann diesem Verdacht nicht nachgegangen werden. Auch die Beerdigung war bedrückend, konnten wir doch sehen, wie die gute Dame in ein billiges Betongrab eingeschoben wurde, welches sofort auch zuzementiert wurde. Aber wer soll auch schon in der Lage sein, ein schöneres Grab für sie zu kaufen; war sie doch die einzige "Brotverdienerin" im Haushalt, für sie und ihre zwei Töchter.
Umso mehr freute ich mich also, als es am 18. April Richtung Südamerika ging, wo ich nach sieben Monaten wieder meinen Vater sehen würde.
Zu dem Urlaub möchte ich gar nicht viel sagen, außer, dass ich es natürlich sehr, sehr schön fand. Mein Vater und meine Wenigkeit waren in Rio de Janeiro, Buenos Aires & Santiago de Chile. Ich war auf dem Zuckerhut, habe grandioses Essen gegessen (u.A. eine Empenada mit Palmherzen, Spargel, Paprika, Zwiebeln und Tomaten - großartig.), mich mit einer alten chilenischen Bekannten (die ich noch aus meinem Auslandsjahr aus den USA kenne) getroffen, die argentinische Präsidentin gesehen usw usf. Abgesehen davon war es auch schön, mal wieder (eigentlich) alltägliche Dinge erleben zu dürfen. Jederzeit Wasserzugang, warmes (!) Wasser, Essensvielfalt (Es scheint irgendwie doch mehr Essen zu geben außer Kochbananen, Reis und Eiern. ;) Und ja, ich werde nicht müde es zu erwähnen, da ich es schließlich _jeden_ Tag essen darf. :) ), keine aufgetunten, auf einem Rad fahrenden Motorräder, Helmpflicht, Gurtpflicht, vielseitige Musik abseits von Bachata&Merengue (in einem Laden erklang sogar ein Lied der Smiths.)
Auch mit meinem Vater war es so, als wäre ich gar nicht weg gewesen. Ich könnte das Ganze natürlich jetzt auch weiter ausufern lassen, aber der Post ist eh schon bedeutend länger als eigentlich gedacht. In der Sektion Fotos habe ich ein paar Impressionen hinzugefügt, die man sich - falls Interesse besteht - zu Gemüte führen kann.
Hinzugefügt habe ich desweiteren Fotos vom heutigen Tagestrip, von welchem ich gerade wieder gekommen bin. An sich wollten wir uns nur ein "Plastikflaschenhaus" (Oberthema: Alternative Ideen bezüglich des Umweltschutzes) anschauen. Da sich jedoch ein Strand (wie so oft :) ) in relativer Nähe befand, haben die 30 Dominikaner sowie wir 5 Freiwilligen diesem nach erledigter Pflicht einen Besuch abgestattet. :)
Besonders gefreut hat es mich jedoch auch, wieder in der Dominikanischen Republik anzukommen. Richtige Heimatgefühle kamen auf, als ich mal wieder bei 30 Grad im Schatten vergeblich mit einem Taxifahrer den Preis für den Weg zur Busstation runterhandeln wollte. Und als ich dann (3h später nach dem eh schon 24h langen Rückflug mitsamt Umsteigen in Miami) endlich in Villa Tapia ankam und mich hinten auf ein Motorrad setzte, habe ich mich wieder komplett wie Zuhause gefühlt. Die letzten acht Monate vergingen so rasant, dass ich gar nicht daran denken möchte, nur noch drei Monate in diesem Land verbringen zu können. Die Unterschiede zur "europäischen" Kultur sind zwar gewaltig (und das ist mir erst während der Südamerikareise richtig bewusst geworden), aber dennoch ist mir das Land sehr, sehr an das Herz gewachsen.
Das war es auch schon wieder. Nächstes Wochenende geht es in die Hauptstadt zur Büchermesse, was "wir" gleich mit einem Wochenendausflug verbinden. Dann wollten wir noch den 27 Wasserfällen einen Besuch abstatten und im Juni geht es ja auch weiter mit den Reisen (s. letzter Post im März).
Liebe Grüße,
Lars.
FSJ in der Dominikanischen Republik
Dienstag, 1. Mai 2012
Donnerstag, 22. März 2012
10. Einblick in Arbeitssituation & Ausblick auf verbleibende 4,5 Monate
Und da folgt auch schon der nächste Eintrag, ziemlich exakt einen Monat nach meinem Letzten. Der Monat März verlief - im Vergleich zu anderen Monaten - eher geregelt. Ich beschäftigte mich mit dem Umstellen meiner Arbeitsprojekte und Planen der letzten Monate in der Dominikanischen Republik. (neben den üblichen Wochenendaktivitäten).
Zu meiner Arbeitssituation - ich arbeite momentan an zwei Projekten. Das eine Projekt ist der bereits erwähnte Kindergarten im "sozial schwachen" Viertel Villa Tapias. Dort gehe ich Mittwochs bis Freitags hin um die zwanzigjährige Mitlehrerin (die selber momentan noch im Studium steckt) soweit wie es nur geht zu unterstützen. Die dreizehn Kinder sind meist relativ angenehm zu handhaben, nur ab und an gibt es unschöne Situationen. Wenn mir nach einer kleinen Meinungsverschiedenheit das Kind des lokal ansässigen Drogenhändlers sagt, dass sein Vater "sehr viel stärker" sei und auch eine Waffe besitze, ist das erstmal eine Situation, die man _so_ jetzt nicht aus Deutschland kennt. Auch der Umgang mit den etwas schwierigeren Kindern (Missbrauch et cetera) ist weiterhin nicht ganz einfach für mich, aber unheimlich interessant, da ich enorm viel dazu lerne ("typische" Verhaltensmuster etc.).
Desweiteren macht es enorm Spaß, mit der anderen Lehrerin zu arbeiten, da diese eine ähnliche Motivation wie Ich an den Tag legt. Wir haben die Schaukel wieder in den Gang bekommen, Fotocollagen mit den Namen der Schülern erstellt um die Vokale zu lernen, Ordner für alle Kinder besorgt, "Wetterkarten" erstellt, et cetera pp. Alles nur kleine Sachen, aber es macht Spaß, da ich (im Gegensatz zu den Ökogruppen) meine Ideen hier auch wirklich durchsetzen kann, da ich auf niemanden mehr wirklich angewiesen bin.
So ist es zwar eine gar nicht mal so simple Arbeit (hierhin rennen, da Kind vom Umkloppen anderer Kinder abhalten, da Aufwischen, da einen Streit schlichten), die aber auf anderer Basis sehr, sehr ergiebig ist.
Das zweite Projekt ist eine private Englischschule in Salcedo, in der ich neuerdings Montags und Dienstags unterrichte. Ich hatte mir am Anfang auch die Frage gestellt, ob eine private Schule (-> für besser gestellte Familien) nicht eigentlich kontraproduktiv zum eigentlichen Sinn des Freiwilligendienstes ist. Nach einiger Zeit habe ich jedoch meine Skrupel überwunden und gehe mit sehr viel Freude an die Arbeit. Außerdem gibt es ja noch die schöne neoliberal angehauchte Theorie des "trickle-down"-Effektes (...) ;) . Auch diese kurzweilige Arbeit bereitet mir sehr viel Freude, da ich zum ersten Mal ein ganz bisschen das Gefühl erahnen kann, wie es sein muss, ein Lehrer zu sein. "Teacher" hier, "Teacher" da - die Kinder sind auf einem ungleichen Level was die Englischkenntnisse angeht, manche haben schon vorgearbeitet, manche hinken hinterher. Da heißt es ein wenig Improvisieren, was mir aber bisher recht gut gelingt, denke ich mir. Mal gucken, wie sich dies entwickeln wird.
Jedenfalls bin ich recht froh, meine Arbeit grundsätzlich neu gestaltet zu haben, da meine erste Arbeit am Anfang des FSJ zwar noch recht interessant war, sich mit der Zeit jedoch mehr und mehr abnutzte und mir zum Schluss an sich nur noch Kopfschmerzen bereitete (mangelnde Schüler, mangelnde Motivation, fehlende Unterstützung et cetera).
Das war es soweit zu meiner Arbeitssituation. Zum Ausblick auf die restlichen viereinhalb Monate - ich habe einiges geplant.
- In der ersten Aprilwoche werde ich wahrscheinlich mit Monika und zwei weiteren Freiwilligen den Süden des Landes erkunden
- Am 18. April werde ich nach 7 Monaten meinen Vater wiedersehen. Es steht eine 10-tägige Rundreise in Südamerika an (Rio de Janeiro, Buenos Aires, Santiago de Chile). Ich kann es quasi kaum noch erwarten, meinen Vater endlich wieder zu sehen
- Anfang Juni geht es mit Monika für ein verlängertes Wochenende nach Puerto Rico, um dort ein wenig in die Kultur & Geschichte San Juans einzutauchen
- Und zum schönen Abschluss bekomme ich im Juli noch Besuch von meinen beiden Geschwistern und Avi. Auch auf dieses Wiedersehen freue ich mich bereits wahnsinnig und zähle bereits die Wochen runter, bis ich den dreien endlich "meine" Dominikanische Republik zeigen kann.
Das war es soweit. Einen nächsten Blogeintrag gibt es dann wahrscheinlich Ende April. Bis dahin,
Lars.
Mittwoch, 22. Februar 2012
9. Die Hälfte ist um!
Auch mein Plan, zumindest jeden Monat einen Post in diesen hochfrequentierten Blog zu platzieren, ist zum Scheitern verurteilt. Aber immerhin kann ich meine mir selbstauferlegte Bürde zumindest noch in den März hinein retten - denn hier kommt mein (an den ICJA geschickten) Sechsmonatsbericht; lediglich eine Zusammenfassung der bereits geposteten Blogeinträge, aber immerhin besser als nichts. Also hier, 1214 Wörter geballte Kurzweiligkeit (oder auch nicht):
10.02.2012 Dominikanische Republik, IJFD Programm, 2011/12 Villa Tapia Halbjahresevaluation
10.02.2012 Dominikanische Republik, IJFD Programm, 2011/12 Villa Tapia Halbjahresevaluation
Die Aufgabe, sechs Monate Auslandserfahrung auf wenigen Seiten DIN-A4 Papier zu komprimieren ist an sich schon im Vorhinein zum Scheitern verurteilt, da – egal was für Bemühungen man unternimmt – man den letzten sechs Monaten nicht im Geringsten gerecht werden kann. Dennoch versuche ich nun, an Hand der bereitgestellten Leitfragen, das Abenteuer „Dominikanische Repiblik“ ein wenig zu entflechten um einen einigermaßen angemessenen Gesamtüberblick liefern zu können.
„Pessimisten haben den Vorteil, dass sie seltener enttäuscht werden“, wie ein recht bekanntes Zitat von Robert Lembke besagt. Diesen Spruch zu Herzen genommen, ging ich mit keinen Erwartungen oder Plänen an dieses Freiwilliges Soziale Jahr, wofür ich auch sehr dankbar bin. Im Vergleich zu ein paar Mitfreiwilligen, die auf den Vorbereitungsseminaren noch in Hochstimmung ihre Arbeitsziele planten, nach einigen Monaten jedoch teilweise stark desillusioniert erschienen, bin ich von eben solcher Niedergeschlagenheit – abgesehen von dem obligatorischen „Weihnachtstief“ – nämlich verschont geblieben. Als ich im Januar 2011 meine Zusage für die Dominikanische Republik bekam, befand ich mich mit meinem Kenntnisstand über eben jenes karibische Land wohl auf dem gleichen Level wie 99% aller deutschen Bundesbüger: Karibik, Palmen, Sonne. Erst in den darauffolgenden Wochen und Monaten drängten sich andere Stichpunkte in mein Bewusstsein – Prostitution, regionale Disparitäten, Gewalt an Frauen, Versorgungsprobleme, grausames Bildungssystem (eines der schlechtesten in ganz Lateinamerika). Diese Vorbereitung hat dabei geholfen, dass ich nicht ganz so blauäugig in diese Erfahrung hineingestolpert bin. Doch es wäre heuchlerisch, wenn ich sagen würde, dass die Dominikanische Republik keinerlei Überraschungen für mich bereit hielt. Das sehr präsente Gefälle zwischen Arm und Reich (man kann in einer Straße von einem mit BMWs gepflasterten Villenviertel innerhalb zwei Minuten in eine Wellblechüttensiedlung gelangen, in der Kinder halbnackt mit Plastikkartons spielen.), die stark schwankende Elektrizitäts-und Wasserversorgung (fließendes Wasser gibt es beispielweise meist nur an 4-5Tagen pro Woche) und die Gewissheit, dass man in der Dominikanischen Republik des Öfteren nichts wirklich planen kann, sind nur einige Beispiele von eben solchen Unterschieden. So viel zu meinen ersten Eindrücken. Um den Fokus nun auf mein Projekt zu lenken, muss man zunächst erst einmal zwischen der Partnerorganisation des ICJA in der Dominikanischen Republik („Oficina Técnica Provincial“) und meinem Projekt („Fundación Nuevo Rumbo Juvenil“) differenzieren. Die Oficina Técnica war für uns in unserem ersten Monat in der Dominikanischen Republik verantwortlich, während die einzelnen Projekte die Verantwortung nach eben jenem Monat übernahmen.
So war der erste Monat mit allerlei Aktivitäten (Besuch angrenzender Städte, Reservate et cetera) und Vorträgen (u.a. Kultur, Essen, Politik, Gesellschaft) gefüllt, doch auch ein einmonatiger Sprachkurs sollte bereit gestellt werden. Desweiteren wurden wir gegen Ende des ersten Monats für zwei Wochen in zur Integration, Beobachtung und Evaluation in ein öffentliches Gymnasium gesteckt, wo alle Freiwilligen (es sind momentan fünf die unter der Obhut von der Oficina Técnica stehen. Vier vom ICJA, einer vom GIZ) die Eigenheiten des dominikanischen Schulwesens kennen lernen durften. Die Art des Unterrichtes hängt stark vom Lehrer ab. Ist er autoritär, wird still gesessen und servil befolgt, was er für Anweisungen gibt. Ist er es nicht, wird gebrüllt, mit Sachen geworfen, aus dem Klassenzimmer gegangen, Rangeleien angefangen, den Lehrerinnen an den Hüftspeck gepackt und andere unterrichtsfernen Aktivitäten nachgegangen. Ich hatte das Vergnügen dreimal Französischunterricht zu erleben und habe in dieser Zeit nicht ein französisches Wort gehört, da sich die Lehrerin vorne mit den Schülern unterhalten hatte während der Rest so ziemlich alles mögliche machte - nur eben nicht am Unterricht partizipierte. Bei autoritäreren Lehrkräften tauchen hingegen andere interessante Situationen auf. In Spanisch durfte ich mir beispielweise 30x (von jedem Schüler einmal) die gleiche auswendig gelernte Definition einer "freien Diskussion" anhören. Eine Definition zu einer freien Diskussion auswendig lernen ist an sich schon so grotesk, dass ich die Ironie dieser Tatsache gar nicht mehr groß anzusprechen brauche. Auch geht hier die Schule lediglich von 8.00 - 12.20, da dem Bund die finanziellen Mittel fehlen und um 14.00 schon der nächste Block an Schülern angerollt kommt. Doch auch nach diesem Einführungsmonat werden wir weiterhin von der Oficina stark unterstützt. So gibt es gelegentliche Ausflüge (beispielweise in die Hauptstadt) und in regelmäßigen Abständen stattfindende Treffen in denen man über die Arbeits-Wohn-und allgemeine Situation spricht. Über mangelnde Unterstützung kann man sich also wirklich nicht beklagen.
Auch die Betreuung durch mein Projekt lässt an nichts vermissen. Man kann nirgendwo erwarten, dass einem auch nur eine Sache hinterhergetragen wird – Eigeninitiative und Beharrlichkeit sind eine der wertvollsten Eigenschaften in der Dominikanischen Republik – dennoch stößt man meist auf offene Ohren und Türen, wenn man auch nicht erwarten kann, dass Pläne oder Ideen sonderlich zeitnah umgesetzt werden. Andererseits ist auch dies eine Besonderheit der Kultur, mit der man sich mehr als anfreunden kann.
Um auf den Aspekt meiner Arbeit zu sprechen zu kommen, sollte man eben jene vielleicht erst in verschiedene Aspekte aufteilen.
Der erste Aspekt wäre die allgemeine Arbeit in der Fundación Rumbo Juvenil. Diese umfasst Malerarbeiten und sonstige kleine Dinge, die anstehen, sollte ich gerade in keiner der beiden anderen Projekte arbeiten.
Der zweite Aspekt umfasst die „Öko-AG“, zu Spanisch „Ecoclubes Villa Tapia“ – initiiert von Rumbo Juvenil sowie der Casa de Juventud (eine weitere Zweigstelle der Oficina Tecnica).Bei dieser Arbeit gehe ich in verschiedene Schulen und leite einmal wöchentlich (drei Schulen, also drei wöchentliche Treffen) eine Art ökologische AG, in der ich den Schülern (Alter 15-18) ökologisches Bewusstsein versuche nahe zu bringen. Da die Dominikanische Republik ein großes Müllproblem hat und bestimmte Orte zu den verschmutzten Orten in der ganzen Welt gehören, ist Relevanz hierbei durchaus gegeben. Desweiteren waren Ausflüge und Aktivitäten geplant, die jedoch leider nie wirklich statt fanden, sodass ich mit dieser Arbeit Anfang Februar aufgehört habe, da schlichtweg keine Schüler mehr kamen (auch nicht nach mehreren Wiederbelebungsversuchen), sodass Aufwand und Ertrag in keinen Verhältnis mehr zueinander standen.
Der dritte Aspekt umfasst meine Arbeit in einem Kindergarten etwas weiter außerhalb Villa Tapias. Grob gefasst kann man dieses „Centro“ als kostenlose Einrichtung für Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen titulieren. Heißt, falls die Mütter/Kinder geschlagen-, Eltern geschieden werden, es unklare Finanzverhältnisse etc. gibt, haben die Familien die Möglichkeit für ein wenig Entlastung zu sorgen, indem man den Nachwuchs jeden Tag von 08.00 – 11.30 in die Obhut eben jenes Centros gibt (in der sie teilweise auch die einzige Mahlzeit pro Tag bekommen).
Wie man sieht, gibt es also reichlich zu tun und nach dem Wegfall der „Ecoclubes“ bin ich bereits fleißig auf der Suche, wie ich diese entstandene Lücke adäquat füllen kann.
Bezüglich meiner allgemeinen Situation gibt es nicht all zu viel zu erzählen. Sowohl mit meiner Gastsituation als auch mit meinem Lebensalltag bin ich mehr als zufrieden. Innerhalb der Woche isst und unterhält man sich innerhalb der Familie, betreibt einen Sport et cetera und an den Wochenenden geht man mit seinen dominikanischen Freunden feiern oder erkundet mit den anderen ICJA-Freiwilligen die anderen wunderschönen Ecken dieses abwechslungsreichen Karibiklandes.
Es gibt noch so viele weitere Aspekte in der Dominikanischen Republik, die es wert sind, angesprochen zu werden. Sei es der latente Rassismus (Haiti/Dominikanische Republik), der populistische Wahlkampf (im Mai 2012 sind Wahlen), die Gesellschaftsstruktur im Allgemeinen, Popkultur und so weiter, und so fort. Aber mir fehlt sowohl Zeit als auch Muße, auf diese Themen so umfassend einzugehen, als dass ich ihnen auch nur annähernd gerecht werden könnte. So belasse ich es lieber bei vagen Andeutungen und reiche diesen Bericht (ganz der dominikanischen Zeitrechnung entsprechend, ein wenig verspätet) ein.
Samstag, 28. Januar 2012
8. Samaná, Kuba & ein bisschen Arbeitsalltag.
Und mal wieder ein Blogeintrag. Diesmal, um euch über die Geschehnisse des letzten Monats zu informieren. Der Dezember im Allgemeinen ist ein eher gemächlicher Monat und auch viele Dominikaner wechseln den sonst so von Arbeit und Hektik (…) geprägten Alltag gegen ein wenig Entspannung. Mir als totalem Arbeitstier kam das natürlich recht gelegen und so vertrieb ich mir die Zeit mit nichtigen Dingen. Eine davon war der Ausflug nach Samaná, eine Halbinsel im Nordosten der Dominikanischen Republik. Ursprünglich wollte ich mich darüber detailliert äußern, sowohl Muße als Zeit sind mir jedoch abhanden gekommen, sodass ich mich nur noch zu einem kleinen Fazit äußern kann:
a) - Ich habe die bisher schönsten Strände gesehen, die ich jemals erblicken sollte
b) - Ich bin wesentlich mehr gelaufen, als ich eigentlich vorhatte
c) - Fotos siehe flickr
d) .
Ja. Der Urlaub bestand im Wesentlichen aus Wandern (zum Strand hin), Schwimmen (am Strand), Wandern (vom Strand zum Hostel) und Schlafen (immer weit weg vom Strand – mal im Zelt auf angenehmen Baumwurzeln, mal in überfüllten Hostels auf dem Boden)
Und hier noch ein Video von einem der Strände, den wir gesehen haben. Wir haben jedoch nicht die angenehme Bootstour gebucht, sondern sind 1,5h zu Fuß durch den Dschungel gewandert. Bitte nicht von den übermotivierten Engländern beeinflussen lassen. Einer der beeindruckendsten Strände, die ich bis dato gesehen habe.
Die Strände im Allgemeinen sind meist so, wie man sie sich in seinen kühnsten Träumen vorstellt. Weißer Sand, türkisfarbenes Wasser, wenige/keine Menschen. Alles in allem ein traumhafter Urlaub.
Die Strände im Allgemeinen sind meist so, wie man sie sich in seinen kühnsten Träumen vorstellt. Weißer Sand, türkisfarbenes Wasser, wenige/keine Menschen. Alles in allem ein traumhafter Urlaub.
Nach dieser sehr erholsamen Erfahrung ging es dann wieder zurück in unsere „Heimatstadt“. Dort stand Anfang Januar eine Art Wiederaufforstungsaktion in der bereits einmal von mir erwähnten „Reserva Cientifica Salcedoa“ an. Leider hatte es sowohl in den Tagen zuvor als auch zwischendurch relativ heftige monsunartige Regenfälle gegeben, sodass ich nun endlich herausfinden konnte, dass der Spruch „bis zu den Knien im Matsch versinken“ leider keine symbolisch gemeinte Effekthascherei darstellt. Unklugste Entscheidung bis hierher, diesen dämlichen Berg wieder hochzulatschen. Ich war während dieser äußerst vergnüglichen 4h (1,5h hoch, 2,5h runter) entweder am Rutschen auf – ,stecken im- ,oder am Fluchen über den „Treibmatsch“.
Nach diesem Ausflug ging es dann zurück an die Arbeit. Meine Ökologieclubs versuche ich gerade wieder zu motivieren (Mo Nachmittags, Di Morgens, Mi Nachmittags) und auch die Arbeit in einem Kindergarten (Mi,Do,Fr Morgens) habe ich nun angefangen. Angereichert mit wöchentlichen Organisationstreffen und sonstigen Sachen habe ich nun einen ansprechenden Arbeitsplan. Ausführliches zur neuen Arbeit, der Arbeit im Kindergarten, schreibe ich vielleicht in einem anderen Bericht. Grob gesagt kann man diesen Kindergarten als kostenlose Einrichtung für Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen titulieren. Heißt, falls die Mütter/Kinder geschlagen werden, Eltern geschieden, es unklare Finanzverhältnisse etc. gibt, gibt es die Möglichkeit, für ein wenig Entlastung zu sorgen, indem man die Kinder jeden Tag morgens in die Obhut eben jenes „Centros“ gibt.
Am 19. Januar ging es dann für mich Richtung Kuba, wo ich mich mit zwei Freunden treffen sollte. Ich hatte viel erwartet, aber bereits der erste Eintrag in der größten Zeitung Kubas, (der über die guten Beziehungen zwischen Venezuela, Kuba und dem Iran philosophiert) machte mir klar, dass dies ein anderer "Urlaub" werden sollte. So genoss ich 7 Tage und Nächte die wunderschöne Architektur (Kolonialbauten neben "Ostblockhochhäusern"), die fahrenden Museen (Chevrolets aus den 40ern und 50ern neben Ladas und anderen russischen Autos aus den 80ern, daneben ein paar neue Renaults und VWs) und den Scheinsozialismus, der einem von jeder Ecke entgegen springt. Wir hatten das Glück mit ein paar Kubanern ins Gespräch zu kommen (normalerweise ist es Kubanern verboten mit Touristen zu sprechen, bzw. sie drehen sich sofort weg, sollte sich ein Polizeiauto nähern), die uns ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit der "sozialistischen" Lebensweise mitgaben. Befanden wir uns an einem Abend in der Wohnung eines - im Monat 20Euro verdienenden- Fabrikarbeiters, der uns unter Tränen beichtete, dass seine einzige Hoffnung der Tod der Gebrüder Fidels sei, so waren wir an einem anderen Abend auf einer Studentenfeier wo uns die Studenten die Vorzüge des politischen Systems versuchten nahe zu bringen. Kuba, bzw. Havanna ist so eine interessante Stadt, dass ich meine Erlebnisse gar nicht in einem Blogeintrag packen könnte, ohne ausufernd zu werden. Nur 2h Flugzeit von der Dominikanischen Republik entfernt und doch ganz, ganz anders. Nicht nur, was das politische System angeht, sondern auch was die Offenheit der Leute, die soziale Gleichstellung der Geschlechter, den nicht existierenden Rassismus aber auch die Verbitterung der Menschen. "In Kuba verhungert niemand", wurde uns von einem regimekritischen Kubaner gesagt, "aber die Menschen leben lediglich um zu überleben".
So verbrachten wir also die Tage in den verschiedensten Museen, den kleinen Gassen und im bekannten "Hotel Nacional", und die Nächte u.a. am Malecon während hinter uns die Patrouillenschiffe der Marine das Meer nach flüchtenden Kubanern absuchte. Klingt alles überzogen und pathetisch, ist aber einfach Realität. In keinem Land habe ich bisher so Politik erfahren dürfen wie in Kuba. Die gesamte Geschichte spiegelt sich in der Architektur, den Museen, den Autos etc ab. Von den wilden 50ern, wo scheinbar ganz Amerika vor der Prohibition flüchtete und in Kuba einen passenden Ort für wilde Exzesse fand, nach den 60er Jahren in der die Beziehungen mit dem kommunistischen Block Einfluss auf Architektur und Autos fand, bis hin zu dem heutigen Zeitpunkt, wo Kuba -notgedrungen durch den Fall der Sowjetunion- sich dem Tourismus öffnen musste.
Durch diese Öffnung ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch Kuba sich dem Kapitalismus beugen muss. Da hilft es auch nichts, dass die Menschen in Havanna zu 90% nichts von der arabischen Revolution oder sonstigen Dingen mitbekommen haben. In einem Land, in dem Kellner durch Trinkgeld teilweise pro Woche mehr verdienen als Lehrer im ganzen Monat, kämpft jeder Kubaner um eben solches "Hartgeld" und sonstige Einnahmen, die er nicht sofort "dem alten Mann mit dem Bart" geben muss. Und so leistete auch ich meinen winzigen Beitrag zur Destabilisierung des Systems, in dem ich dem Taxifahrer am Flughafen am letzten Tag meiner Reise 25CUC (~18 Euro) für "die Regierung" , und 5 Euro für den Taxifahrer gab, der mit dieser Fahrt somit mehr verdient hat als der bereits von mir angesprochene Fabrikarbeiter in einer Woche.
So verbrachten wir also die Tage in den verschiedensten Museen, den kleinen Gassen und im bekannten "Hotel Nacional", und die Nächte u.a. am Malecon während hinter uns die Patrouillenschiffe der Marine das Meer nach flüchtenden Kubanern absuchte. Klingt alles überzogen und pathetisch, ist aber einfach Realität. In keinem Land habe ich bisher so Politik erfahren dürfen wie in Kuba. Die gesamte Geschichte spiegelt sich in der Architektur, den Museen, den Autos etc ab. Von den wilden 50ern, wo scheinbar ganz Amerika vor der Prohibition flüchtete und in Kuba einen passenden Ort für wilde Exzesse fand, nach den 60er Jahren in der die Beziehungen mit dem kommunistischen Block Einfluss auf Architektur und Autos fand, bis hin zu dem heutigen Zeitpunkt, wo Kuba -notgedrungen durch den Fall der Sowjetunion- sich dem Tourismus öffnen musste.
Durch diese Öffnung ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch Kuba sich dem Kapitalismus beugen muss. Da hilft es auch nichts, dass die Menschen in Havanna zu 90% nichts von der arabischen Revolution oder sonstigen Dingen mitbekommen haben. In einem Land, in dem Kellner durch Trinkgeld teilweise pro Woche mehr verdienen als Lehrer im ganzen Monat, kämpft jeder Kubaner um eben solches "Hartgeld" und sonstige Einnahmen, die er nicht sofort "dem alten Mann mit dem Bart" geben muss. Und so leistete auch ich meinen winzigen Beitrag zur Destabilisierung des Systems, in dem ich dem Taxifahrer am Flughafen am letzten Tag meiner Reise 25CUC (~18 Euro) für "die Regierung" , und 5 Euro für den Taxifahrer gab, der mit dieser Fahrt somit mehr verdient hat als der bereits von mir angesprochene Fabrikarbeiter in einer Woche.
Neue Fotos wurden natürlich hochgeladen!
Mittwoch, 14. Dezember 2011
7. Ein wenig Kritik
Die Zeit vergeht (Überraschung) wie im Fluge, nach ziemlich exakt einem Monat mal wieder ein Beitrag:
Ich hatte letztens mit meinem ehemaligen Englischlehrer (sollte er es lesen: Grüße!) auf facebook Kontakt und kam auch darauf zu sprechen, dass mein Blog mehr und mehr einem Reisebericht ähnelt. Dieser Gedanke missfiel mir und so setze ich mich nun mal daran, ein paar Sachen aufzuschreiben, die mir hier aufgefallen sind /ein wenig missfallen haben, beziehungsweise es weiterhin tun.
Als ich am letzten Sonntag nach einem sehr schönen Wochenende in der "Capital" (Santo Domingo), wo wir Freiwilligen (die sechs Üblichen + drei weitere vom GIZ) uns mit dem Besuch eines deutsch-dominikanischem Weihnachtsmarktes und weiteren Sachen vergnügten, wieder in meiner Stadt ankam und um die Ecke in Richtung meines Hauses bog, hatte ich zum ersten Mal den Drang verspürt, in den nächsten Flieger zu steigen und nach Hause zu fliegen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite hatten zwei Kinder einen Straßenhund an einem Seil festgebunden und peitschten ihn mit Freudenschreien mit einem Stock aus, während er (er konnte sich kaum mehr bewegen, da er vorher bereits wahrscheinlich angefahren wurde) nur unter Schmerzen jaulte. Die älteren Herrschaften, die sich sitzend auf dem Mittelstreifen befanden, guckten amüsiert zu und unterhielten sich angeregt weiter. Was hätte ich jetzt tun sollen? Eingreifen oder ignorieren? Da ich der Meinung bin, dass ich anderen Kulturkreisen nicht den meinen für richtig empfundenen Wertekodex aufdrängen sollte (ich habe mich kurz an die Diskussion in Deutschland bezüglich der EURO 2012 erinnert), bin ich weiter gelaufen und habe es so gut wie es geht versucht zu ignorieren. Aber auch wenn es natürlich kein "besser" oder "schlechter" bezüglich solcher Moralverständnisse gibt, war ich mir für kurze Zeit sehr unsicher, wie ich mit dieser Situation umgehen sollte.
Mit der Zeit bemerkt man ein, zwei Dinge, die einen verwundern oder aber eben auch ein wenig missfallen.
Verwundert ist man beispielweise, wenn man bemerkt, dass die Kulturkreise doch verschiedener sind, als man es zu Anfang dachte. Es ist ein wenig schwierig hier , Beziehungen zu Dominikanern aufzubauen, die die bloße Oberflächlichkeit einer Bekanntschaft überschreiten. Man kommt eben doch des Öfteren nicht über die üblichen Themen hinweg, beziehungsweise findet keine gemeinsame Basis, um weitergehende Gespräche zu führen. Da bin ich sehr froh, dass ich ab und an mit einer meiner Cousinen schon Diskussionen über Agnostizismus, den allgemeinen Wertebegriff und sonstige Themen führen durfte; und wir zum anderen dominikanische Freunde gefunden haben, mit denen wir viel gemeinsam haben.
Ein weiterer kleiner Faktor ist die Tatsache, dass man durch sein äußeres Erscheinungsbild weiterhin oft nach Geld oder sonstigen Sachen gefragt wird. Mir kam letztens ein Mann auf der Straße entgegen der gerade mit anderen Dingen beschäftigt war, als Leute auf der Straße nach Geld/Essen/sonstigen Dingen zu fragen. Kaum sah er mich jedoch, fragte er nach dem Üblichen - Dinero, Dinero.
Diese sofortige Assoziation von "weiße Hautfarbe -> Geld" hat schon zu so vielen unangenehmen Situationen mittlerweile geführt, dass ich teilweise gar nicht mehr reagiere, sollte ein Unbekannter mich auf der Straße ansprechen. Dies finde ich aber wiederum schade, da ich zum einen Menschen vorverurteile und mir zum anderen viele Gespräche durch die Lappen gehen, nur weil ich gleich vom "Schlimmsten" ausgehe, sollte mir "Rubio, Rubio" entgegen gerufen werden. Zwar ist bisher niemand wirklich ausfallend / aggressiv geworden (außer, dass wir einmal von einer Horde Kindern mit Kieselsteinen beworfen wurden, als wir ihnen kein Geld geben wollten), allerdings zerrt es schon ein wenig an den Kräften, jedes Mal wieder mit einem schlechte Gewissen und dem üblichen "No Tengo Ahora"-Spruch weglaufen zu müssen. Da fällt es einem leichter, der Situation von Anfang an aus dem Weg zu gehen.
Es gibt noch so viele Dinge mehr, die einen ab und an verwundern, sei es die - in meinen Augen nicht überraschende - interessate Rolle der Religion in diesem Lande (auf der einen Seite dürfen Frauen und Männer quasi nicht mal alleine in einem Raum sein/ in sonstiger Weise viel Zeit miteinander verbringen, sofern sie nicht verheiratet sind, auf der anderen Seite wird sich dann gewundert, wenn Männer sich damit brüsten, teilweise drei Freundinnen gleichzeitig zu haben und Frauen mit 21 bereits das zweite Kind erwarten. Wer soll hier sexuelle Aufklärung leisten, wenn selbst Vorträge der Freiwilligen mit einem andauernden "Aber ihr seid dazu eh viel zu jung" unterbrochen werden sowie mit dem Religionsmarterpfahl gewunken wird?Auch schön: große Poster zum Weltaidstag in Salcedo, die auf zwei verschiedene AIDS-Präventionen hinweisen - #1: kein Geschlechtsverkehr (unrealistisch, aber gut); #2: Heiraten. Heiraten (!). Wenn man also z.B. einen AIDS-Kranken heiratet und von diesem schwanger wird, bekommt man kein AIDS, da man ja verheiratet ist. Interessante Überlegung :) . ),
der verbissene Politikwahlkampf (der mit tiefschürfenden Parolen wie "Beibehalten, was gut ist; Verbessern, was schlecht ist" geführt wird. :) ) ,
die allgemeine Lage in der Gesellschaft (Postkarten zeigen teilweise nicht Orte in der Dominikanischen Republik sondern nur ein Abbild von New York. Damit auch die Menschen, die es nicht in das gelobte Land geschafft haben, ihre Familien weiterhin in der Lüge leben lassen können, sie hätten es nun in die USA geschafft und würden ihre Familienmitglieder bald nachholen) und noch ein, zwei Sachen mehr, für die mir aber nun die Muße fehlt, sie alle aufzuzählen.
Ich will jedoch in keinster Weise genervt klingen, denn all das sind nur kleine Ausschnitte aus einem vielfältigen Spektrum mit vielen toller Aspekten. Auch die Tatsache, dass ich (im Gegensatz zu vielen - in meinen Augen zu - idealistischen Mitfreiwilligen, die nun teilweise desillusioniert herumhängen. Mindestens fünf vom ICJA haben auch bereits abgebrochen, aber der "Dezember" ist dafür eh ein berüchtigter Monat :) ) von Vornherein eine sehr - ich nenne es mal "nüchterne" - Angehensweise hatte, hat mir sehr viel hier geholfen. :)
Denn auch wenn die Arbeit weiterhin nicht so ganz läuft (Das Prinzip des "Manana" in Lateinamerika könnte ganze Bücher füllen :) ), ist es hier wirklich nie langweilig. Das nächste Highlight (Ende Dezember: Reise nach Samana im Nordosten der Insel) / Katastrophe (eine Freiwillige hat sich nun nach Schimmelbefall in Wohnung, Kakerlaken in Koffer und Ratten im Schrank für einen Gastfamilienwechsel entschieden) lauert quasi immer nur hinter der nächsten Ecke.
Mal werde ich von einer 10 Zentimetergroßen Kakerlake durch die Dusche gejagt (ich bin mir weiterhin sicher, dass die Gute auf mich zu gespurtet ist), darf auf einem 5m hohen Baugerüst pseudo-intellektuelle Gespräche über die sozialen Disparitäten in der DR mit einem Künstler führen, oder oder oder oder. :)
Ihr merkt also, mir geht es weiterhin sehr gut, auch wenn dieser Beitrag ein wenig negativer ausgefallen ist als die letzten Kommentare. Mit jedem Tag versteht man den Sinn eines solchen Freiwilligendienstes ein wenig mehr und ist mehr und mehr dankbar, von Deutschland so eine Chance geboten bekommen zu haben.
Ich sprach letztens bei facebook mit einer Freundin; sie beschwerte sich über den "angeblichen Sozialstaat Deutschland". Das mag alles stimmen, aber ich musste dennoch lächeln, bekommt man hier doch eine ganz andere Sicht auf Dinge wie Riester-Rente, Bafög oder auch Hartz-IV. Von ganz grundsätzlichen Wertschätzungen wie "Wasser" und "Strom" mal abgesehen. Natürlich ist man sich des Wertes von "Wasser" immer irgendwie bewusst gewesen, aber wenn dann halt eben mal für drei Tage kein Wasser zum Duschen, Waschen, Toilettengang et cetera zur Verfügung stehen hat, sieht man das dann doch nochmal ein wenig anders. Gleiches gilt für Strom.
Wie dem auch sei. Auch wenn ich mal wieder mit dem unguten Gefühl abschließe, alles oberflächlich angekratzt und nichts wirklich behandelt zu haben, wünsche ich einen schönen dritten Advent und verspreche einen baldigen weiteren Eintrag. :)
Ich hatte letztens mit meinem ehemaligen Englischlehrer (sollte er es lesen: Grüße!) auf facebook Kontakt und kam auch darauf zu sprechen, dass mein Blog mehr und mehr einem Reisebericht ähnelt. Dieser Gedanke missfiel mir und so setze ich mich nun mal daran, ein paar Sachen aufzuschreiben, die mir hier aufgefallen sind /ein wenig missfallen haben, beziehungsweise es weiterhin tun.
Als ich am letzten Sonntag nach einem sehr schönen Wochenende in der "Capital" (Santo Domingo), wo wir Freiwilligen (die sechs Üblichen + drei weitere vom GIZ) uns mit dem Besuch eines deutsch-dominikanischem Weihnachtsmarktes und weiteren Sachen vergnügten, wieder in meiner Stadt ankam und um die Ecke in Richtung meines Hauses bog, hatte ich zum ersten Mal den Drang verspürt, in den nächsten Flieger zu steigen und nach Hause zu fliegen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite hatten zwei Kinder einen Straßenhund an einem Seil festgebunden und peitschten ihn mit Freudenschreien mit einem Stock aus, während er (er konnte sich kaum mehr bewegen, da er vorher bereits wahrscheinlich angefahren wurde) nur unter Schmerzen jaulte. Die älteren Herrschaften, die sich sitzend auf dem Mittelstreifen befanden, guckten amüsiert zu und unterhielten sich angeregt weiter. Was hätte ich jetzt tun sollen? Eingreifen oder ignorieren? Da ich der Meinung bin, dass ich anderen Kulturkreisen nicht den meinen für richtig empfundenen Wertekodex aufdrängen sollte (ich habe mich kurz an die Diskussion in Deutschland bezüglich der EURO 2012 erinnert), bin ich weiter gelaufen und habe es so gut wie es geht versucht zu ignorieren. Aber auch wenn es natürlich kein "besser" oder "schlechter" bezüglich solcher Moralverständnisse gibt, war ich mir für kurze Zeit sehr unsicher, wie ich mit dieser Situation umgehen sollte.
Mit der Zeit bemerkt man ein, zwei Dinge, die einen verwundern oder aber eben auch ein wenig missfallen.
Verwundert ist man beispielweise, wenn man bemerkt, dass die Kulturkreise doch verschiedener sind, als man es zu Anfang dachte. Es ist ein wenig schwierig hier , Beziehungen zu Dominikanern aufzubauen, die die bloße Oberflächlichkeit einer Bekanntschaft überschreiten. Man kommt eben doch des Öfteren nicht über die üblichen Themen hinweg, beziehungsweise findet keine gemeinsame Basis, um weitergehende Gespräche zu führen. Da bin ich sehr froh, dass ich ab und an mit einer meiner Cousinen schon Diskussionen über Agnostizismus, den allgemeinen Wertebegriff und sonstige Themen führen durfte; und wir zum anderen dominikanische Freunde gefunden haben, mit denen wir viel gemeinsam haben.
Ein weiterer kleiner Faktor ist die Tatsache, dass man durch sein äußeres Erscheinungsbild weiterhin oft nach Geld oder sonstigen Sachen gefragt wird. Mir kam letztens ein Mann auf der Straße entgegen der gerade mit anderen Dingen beschäftigt war, als Leute auf der Straße nach Geld/Essen/sonstigen Dingen zu fragen. Kaum sah er mich jedoch, fragte er nach dem Üblichen - Dinero, Dinero.
Diese sofortige Assoziation von "weiße Hautfarbe -> Geld" hat schon zu so vielen unangenehmen Situationen mittlerweile geführt, dass ich teilweise gar nicht mehr reagiere, sollte ein Unbekannter mich auf der Straße ansprechen. Dies finde ich aber wiederum schade, da ich zum einen Menschen vorverurteile und mir zum anderen viele Gespräche durch die Lappen gehen, nur weil ich gleich vom "Schlimmsten" ausgehe, sollte mir "Rubio, Rubio" entgegen gerufen werden. Zwar ist bisher niemand wirklich ausfallend / aggressiv geworden (außer, dass wir einmal von einer Horde Kindern mit Kieselsteinen beworfen wurden, als wir ihnen kein Geld geben wollten), allerdings zerrt es schon ein wenig an den Kräften, jedes Mal wieder mit einem schlechte Gewissen und dem üblichen "No Tengo Ahora"-Spruch weglaufen zu müssen. Da fällt es einem leichter, der Situation von Anfang an aus dem Weg zu gehen.
Es gibt noch so viele Dinge mehr, die einen ab und an verwundern, sei es die - in meinen Augen nicht überraschende - interessate Rolle der Religion in diesem Lande (auf der einen Seite dürfen Frauen und Männer quasi nicht mal alleine in einem Raum sein/ in sonstiger Weise viel Zeit miteinander verbringen, sofern sie nicht verheiratet sind, auf der anderen Seite wird sich dann gewundert, wenn Männer sich damit brüsten, teilweise drei Freundinnen gleichzeitig zu haben und Frauen mit 21 bereits das zweite Kind erwarten. Wer soll hier sexuelle Aufklärung leisten, wenn selbst Vorträge der Freiwilligen mit einem andauernden "Aber ihr seid dazu eh viel zu jung" unterbrochen werden sowie mit dem Religionsmarterpfahl gewunken wird?Auch schön: große Poster zum Weltaidstag in Salcedo, die auf zwei verschiedene AIDS-Präventionen hinweisen - #1: kein Geschlechtsverkehr (unrealistisch, aber gut); #2: Heiraten. Heiraten (!). Wenn man also z.B. einen AIDS-Kranken heiratet und von diesem schwanger wird, bekommt man kein AIDS, da man ja verheiratet ist. Interessante Überlegung :) . ),
der verbissene Politikwahlkampf (der mit tiefschürfenden Parolen wie "Beibehalten, was gut ist; Verbessern, was schlecht ist" geführt wird. :) ) ,
die allgemeine Lage in der Gesellschaft (Postkarten zeigen teilweise nicht Orte in der Dominikanischen Republik sondern nur ein Abbild von New York. Damit auch die Menschen, die es nicht in das gelobte Land geschafft haben, ihre Familien weiterhin in der Lüge leben lassen können, sie hätten es nun in die USA geschafft und würden ihre Familienmitglieder bald nachholen) und noch ein, zwei Sachen mehr, für die mir aber nun die Muße fehlt, sie alle aufzuzählen.
Ich will jedoch in keinster Weise genervt klingen, denn all das sind nur kleine Ausschnitte aus einem vielfältigen Spektrum mit vielen toller Aspekten. Auch die Tatsache, dass ich (im Gegensatz zu vielen - in meinen Augen zu - idealistischen Mitfreiwilligen, die nun teilweise desillusioniert herumhängen. Mindestens fünf vom ICJA haben auch bereits abgebrochen, aber der "Dezember" ist dafür eh ein berüchtigter Monat :) ) von Vornherein eine sehr - ich nenne es mal "nüchterne" - Angehensweise hatte, hat mir sehr viel hier geholfen. :)
Denn auch wenn die Arbeit weiterhin nicht so ganz läuft (Das Prinzip des "Manana" in Lateinamerika könnte ganze Bücher füllen :) ), ist es hier wirklich nie langweilig. Das nächste Highlight (Ende Dezember: Reise nach Samana im Nordosten der Insel) / Katastrophe (eine Freiwillige hat sich nun nach Schimmelbefall in Wohnung, Kakerlaken in Koffer und Ratten im Schrank für einen Gastfamilienwechsel entschieden) lauert quasi immer nur hinter der nächsten Ecke.
Mal werde ich von einer 10 Zentimetergroßen Kakerlake durch die Dusche gejagt (ich bin mir weiterhin sicher, dass die Gute auf mich zu gespurtet ist), darf auf einem 5m hohen Baugerüst pseudo-intellektuelle Gespräche über die sozialen Disparitäten in der DR mit einem Künstler führen, oder oder oder oder. :)
Ihr merkt also, mir geht es weiterhin sehr gut, auch wenn dieser Beitrag ein wenig negativer ausgefallen ist als die letzten Kommentare. Mit jedem Tag versteht man den Sinn eines solchen Freiwilligendienstes ein wenig mehr und ist mehr und mehr dankbar, von Deutschland so eine Chance geboten bekommen zu haben.
Ich sprach letztens bei facebook mit einer Freundin; sie beschwerte sich über den "angeblichen Sozialstaat Deutschland". Das mag alles stimmen, aber ich musste dennoch lächeln, bekommt man hier doch eine ganz andere Sicht auf Dinge wie Riester-Rente, Bafög oder auch Hartz-IV. Von ganz grundsätzlichen Wertschätzungen wie "Wasser" und "Strom" mal abgesehen. Natürlich ist man sich des Wertes von "Wasser" immer irgendwie bewusst gewesen, aber wenn dann halt eben mal für drei Tage kein Wasser zum Duschen, Waschen, Toilettengang et cetera zur Verfügung stehen hat, sieht man das dann doch nochmal ein wenig anders. Gleiches gilt für Strom.
Wie dem auch sei. Auch wenn ich mal wieder mit dem unguten Gefühl abschließe, alles oberflächlich angekratzt und nichts wirklich behandelt zu haben, wünsche ich einen schönen dritten Advent und verspreche einen baldigen weiteren Eintrag. :)
Montag, 14. November 2011
6. 24 Menschen, ein Sack Kartoffeln, ein Sack Reis und ein lebendes Hühnchen
Ich hatte Geburtstag! Und da dieser so (unerwartet) schön verlaufen ist, wollte ich diese Plattform mal wieder nutzen, um diese frohe Botschaft zu verbreiten. Begleitende Fotos zu diesem Blogeintrag finden sich auf der dazugehörigen Seite.
Doch zunächst zu den letzten Wochen: Ich war in der Botschaft (Notiz an mich: Die deutschen Botschaften sind primär dazu da, um in Deutschland ansässigen Firmen Aufträge im Ausland zu vermitteln und nicht - naiv wie ich dachte - um Deutschen im Ausland zu helfen. Einerseits "Entwicklungs"-hilfe versprechen, dann aber wieder alle lukrativen Aufträge nach Deutschland schiffen; inwiefern da die dominikanische Wirtschaft angekurbelt werden soll - ich weiß es nicht), in Santiago und Einkaufen in Santo Domingo (nebst den anderen, bereits im Blog angesprochenen Freizeitaktivitäten :) ). Desweiteren habe ich angefangen zu arbeiten (3x pro Woche Ökologie-Club), was mir sogar recht viel Spaß macht. Während andere Mitfreiwillige in ihren Projekten Äpfel ins Gesicht geschmettert bekommen oder bei Führungen durch einen 100x100m großen "Ökopark" 3h lang einen Kassettenrecorder durch die Pampa tragen, bzw. Saft ausschenken dürfen, bin ich mit meiner Arbeit durchaus zufrieden. Auch wenn mir ökologiebezogene Themen nicht so sehr am Herzen liegen, wie sie es vielleicht tun sollten, versuche ich zumindest (mit PowerPoint, Videos, Quizfragen und Bildern) einen einigermaßen anschaulichen Unterricht zu liefern. Ich sehe zwar weiterhin nicht, dass dieser Ecoclub länger als zwei Monate laufen wird, aber an mir und meiner Motivation wird es zumindest nicht scheitern. :)
Kommen wir also zu meinem Geburtstagswochenende:
Es fing alles ganz harmlos an. Ich hatte meiner Familie versprochen am Freitag (also der 11.11.) für sie zu kochen, da am Samstag, also an meinem Geburtstag, einer der mittlerweile berüchtigten Wochenendausflüge mit den anderen Freiwilligen geplant war. Monika half mir und so konnten wir meiner Familie gegen 20 Uhr ein relativ italienisches Abendessen präsentieren (Vorspeise: Caprese; Hauptspeise: Farfalle mit einer Ricotta-Tomatensoße; Nachspeise: Muffins :) ). Da ich von der alltäglichen Essensroutine (Morgens: Saft mit trockenem Brötchen; Mittags: Reis mit Bohnen + Salat; Abends: Kochbanane mit Ei) leichte Ermüdungserscheinungen bekommen hatte, war dies ein weitere Grund, für meine Familie zu kochen. Das Essen kam sehr gut bei meiner Familie an.
Danach sollte dann die große Überraschung kommen: Monika hatte hinter meinem Rücken eine Überraschungsfeier für mich geplant/organisiert! Auch wenn ich vorher durch einige Aussagen etwas geahnt hatte, wurde ich doch sehr überrascht, als ich von meinem (eingeweihten) Gastbruder Rainier zu der in einem Haus stattfinden Überraschungsfeier gefahren wurde. Alle waren da! Sowohl die fünf anderen Freiwilligen (die bekannten 4 Personen aus Salcedo + die deutsche Freundin von Sebastian, die im Zentrum des Landes wohnt) als auch viele meiner mittlerweile gemachten Freunde. Also um die 20-25 Leute, auch wenn ich nicht alle kannte. Es gab sogar einen Kuchen (von Monika gekauft) und Dekoration (von Monika gekauft, von Annika & Kelvin - zwei Freunden - aufgehangen).
Jeder der mich kennt - besonders Filip, Niklas, Fay, Jana, Franzi, Carolin, Leonard etc pp. - wissen, wie sehr ich es mag meinen Geburtstag zu feiern. Dennoch war die Feier ein totaler Erfolg und es ist sehr schön zu wissen, dass - auch wenn man zig Kilometer von Zuhause entfernt ist - man dennoch hier in der Dominikanischen Republik auch Leute hat, die an einen denken. Ein _wirklich_ schönes Gefühl.
Nach - wie immer - viel Rum, viel Getanze und viel Lachen fand die Feier dann ein schönes Ende und ich befand mich gegen drei Uhr auch in meinem Bett. Eine kurze Nacht sollte es werden, da ich mich um 7.15 bereits mit den anderen fünf Freiwilligen in Salcedo an der Guagua-Haltestelle traf, um den Wochenendtrip nach "Sosua" - eine Stadt bekannt für billigen Tourismus und Prostitution - zu starten. Uns war bewusst, dass Sosua vielleicht nicht allzu schön ist, aber mir war es wichtig, auch mal Seiten des Landes zu sehen, die vielleicht nicht ganz dem "Sonne,Strand,Karibik"-Bild entsprachen. In Sosua erlebten wir eine schöne Zeit am Strand, auch wenn man - insbesondere wenn man durch die Stadt läuft - gemerkt hat, dass die beste Zeit Sosuas bereits in der Vergangenheit liegt. Sehr viele Häuser standen zum Verkauf, das Publikum war teilweise unangenehm und auch die Prostitution machte sich (wenn auch nicht ganz so arg, wie ich befürchtete) bemerkbar. Eine Nacht in einer "Präsidentensuite" mitsamt "Gespielin" für insgesamt 16€ macht betroffen und nachdenklich - auch wenn man die Preise in das dominikanische Verhältnis setzen muss.
Dennoch hatte ich eine sehr, sehr schöne Zeit und ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich diesen Geburtstag so schnell nicht vergessen werde. Und wer sich fragt, wie ich zu dem kreativen Titel des Blogeintrages kam: Auf der Rückfahrt waren genau diese aufgezählten Dinge Insassen einer Guagua (normalerweise für 15 Insassen gebaut) von Sosua nach Puerto Plata. Und ja, um das Stereotyp zu vollenden: bei dudelnder Merenguemusik.
Doch zunächst zu den letzten Wochen: Ich war in der Botschaft (Notiz an mich: Die deutschen Botschaften sind primär dazu da, um in Deutschland ansässigen Firmen Aufträge im Ausland zu vermitteln und nicht - naiv wie ich dachte - um Deutschen im Ausland zu helfen. Einerseits "Entwicklungs"-hilfe versprechen, dann aber wieder alle lukrativen Aufträge nach Deutschland schiffen; inwiefern da die dominikanische Wirtschaft angekurbelt werden soll - ich weiß es nicht), in Santiago und Einkaufen in Santo Domingo (nebst den anderen, bereits im Blog angesprochenen Freizeitaktivitäten :) ). Desweiteren habe ich angefangen zu arbeiten (3x pro Woche Ökologie-Club), was mir sogar recht viel Spaß macht. Während andere Mitfreiwillige in ihren Projekten Äpfel ins Gesicht geschmettert bekommen oder bei Führungen durch einen 100x100m großen "Ökopark" 3h lang einen Kassettenrecorder durch die Pampa tragen, bzw. Saft ausschenken dürfen, bin ich mit meiner Arbeit durchaus zufrieden. Auch wenn mir ökologiebezogene Themen nicht so sehr am Herzen liegen, wie sie es vielleicht tun sollten, versuche ich zumindest (mit PowerPoint, Videos, Quizfragen und Bildern) einen einigermaßen anschaulichen Unterricht zu liefern. Ich sehe zwar weiterhin nicht, dass dieser Ecoclub länger als zwei Monate laufen wird, aber an mir und meiner Motivation wird es zumindest nicht scheitern. :)
Kommen wir also zu meinem Geburtstagswochenende:
Es fing alles ganz harmlos an. Ich hatte meiner Familie versprochen am Freitag (also der 11.11.) für sie zu kochen, da am Samstag, also an meinem Geburtstag, einer der mittlerweile berüchtigten Wochenendausflüge mit den anderen Freiwilligen geplant war. Monika half mir und so konnten wir meiner Familie gegen 20 Uhr ein relativ italienisches Abendessen präsentieren (Vorspeise: Caprese; Hauptspeise: Farfalle mit einer Ricotta-Tomatensoße; Nachspeise: Muffins :) ). Da ich von der alltäglichen Essensroutine (Morgens: Saft mit trockenem Brötchen; Mittags: Reis mit Bohnen + Salat; Abends: Kochbanane mit Ei) leichte Ermüdungserscheinungen bekommen hatte, war dies ein weitere Grund, für meine Familie zu kochen. Das Essen kam sehr gut bei meiner Familie an.
Danach sollte dann die große Überraschung kommen: Monika hatte hinter meinem Rücken eine Überraschungsfeier für mich geplant/organisiert! Auch wenn ich vorher durch einige Aussagen etwas geahnt hatte, wurde ich doch sehr überrascht, als ich von meinem (eingeweihten) Gastbruder Rainier zu der in einem Haus stattfinden Überraschungsfeier gefahren wurde. Alle waren da! Sowohl die fünf anderen Freiwilligen (die bekannten 4 Personen aus Salcedo + die deutsche Freundin von Sebastian, die im Zentrum des Landes wohnt) als auch viele meiner mittlerweile gemachten Freunde. Also um die 20-25 Leute, auch wenn ich nicht alle kannte. Es gab sogar einen Kuchen (von Monika gekauft) und Dekoration (von Monika gekauft, von Annika & Kelvin - zwei Freunden - aufgehangen).
Jeder der mich kennt - besonders Filip, Niklas, Fay, Jana, Franzi, Carolin, Leonard etc pp. - wissen, wie sehr ich es mag meinen Geburtstag zu feiern. Dennoch war die Feier ein totaler Erfolg und es ist sehr schön zu wissen, dass - auch wenn man zig Kilometer von Zuhause entfernt ist - man dennoch hier in der Dominikanischen Republik auch Leute hat, die an einen denken. Ein _wirklich_ schönes Gefühl.
Nach - wie immer - viel Rum, viel Getanze und viel Lachen fand die Feier dann ein schönes Ende und ich befand mich gegen drei Uhr auch in meinem Bett. Eine kurze Nacht sollte es werden, da ich mich um 7.15 bereits mit den anderen fünf Freiwilligen in Salcedo an der Guagua-Haltestelle traf, um den Wochenendtrip nach "Sosua" - eine Stadt bekannt für billigen Tourismus und Prostitution - zu starten. Uns war bewusst, dass Sosua vielleicht nicht allzu schön ist, aber mir war es wichtig, auch mal Seiten des Landes zu sehen, die vielleicht nicht ganz dem "Sonne,Strand,Karibik"-Bild entsprachen. In Sosua erlebten wir eine schöne Zeit am Strand, auch wenn man - insbesondere wenn man durch die Stadt läuft - gemerkt hat, dass die beste Zeit Sosuas bereits in der Vergangenheit liegt. Sehr viele Häuser standen zum Verkauf, das Publikum war teilweise unangenehm und auch die Prostitution machte sich (wenn auch nicht ganz so arg, wie ich befürchtete) bemerkbar. Eine Nacht in einer "Präsidentensuite" mitsamt "Gespielin" für insgesamt 16€ macht betroffen und nachdenklich - auch wenn man die Preise in das dominikanische Verhältnis setzen muss.
Dennoch hatte ich eine sehr, sehr schöne Zeit und ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich diesen Geburtstag so schnell nicht vergessen werde. Und wer sich fragt, wie ich zu dem kreativen Titel des Blogeintrages kam: Auf der Rückfahrt waren genau diese aufgezählten Dinge Insassen einer Guagua (normalerweise für 15 Insassen gebaut) von Sosua nach Puerto Plata. Und ja, um das Stereotyp zu vollenden: bei dudelnder Merenguemusik.
Montag, 24. Oktober 2011
5. Reserca Científica & ein erster Wochenendausflug.
Ich sitze mal wieder auf unserer Veranda (in meinem Zimmer hat sich nämlich leider mein vor einem Monat gekaufter schöner neuer ( und nur sechs Euro teurer! Wobei - vielleicht lag es daran) Ventilator mit Funkenschlag und Gezische verabschiedet. Dies ist nun schon mein zweiter kaputter Ventilator und besonders eben jener war mir ans Herz gewachsen, da er nicht nur starr an der Wand hing, sondern ich ihn frei in meinem Zimmer herumschieben konnte (abends neben mein Bett, mittags neben meinen Computer). Dann ist mir auch noch beim Fensterzuklappen ein Teil der Fensterscheibe entgegen gesprungen, sodass ich jetzt nicht nur vom Klima her eine kleines Minitropenbiotop in meinem Zimmer habe, sondern die Fauna (in Form von Moskitos und anderem Gedöns) nun auch ihren Weg in mein Zimmer findet.
Wie dem auch sei, nach fast einem Monat wurde es meiner Meinung mal wieder Zeit für einen Eintrag. Das Leben bleibt weiterhin facettenreich auch wenn der Eintag allmählich Einzug findet. Bezüglich meiner Arbeit habe ich nicht wirklich neue Informationen, außer dass ich bald jeden Mo, Di & Mi eine Art "Ökologie Klub" an verschiedenen Gymnasien in Villa Tapia führen werde. Jeder der mich kennt wird wissen, dass ich mit solchen Themen eigentlich wenig bis gar nichts am Hut habe, aber da ich innerhalb dieses Kurses machen kann was ich will, ist Reiz durchaus gegeben. Was ich Do & Fr machen werde ist weiterhin nicht klar, aber mein Vorschlag eines Englischkurses stieß zumindest nicht auf vollkommene Ablehnung (wobei das hier nicht viel zu heißen hat).
Dieses immer noch anwährende "Herumlungern" ist zwar teilweise ein wenig störend, aber bisher noch nicht dramatisch. Da ja ein Fortschritt bezüglich meiner Arbeit (bisher wurde nur mit Lehrern, dem Senat et cetera besprochen wann/wie/etc man die Idee umzusetzen hat) zu sehen ist, bin ich da auch weiterhin optimistisch gestimmt. Ich sehe zwar nicht, wie sich 15-17-jährige Jugendliche motivieren lassen sollen, sich in ihrer Freizeit von einem 19-jährigem Deutschen (der des Spanischen weiterhin nicht ansatzweise mächtig ist) die unfassbar aufrüttelnden Themen "Recycling", "Wiederaufforstung" und "Mülltrennung" erläutern zu lassen, aber ich habe mir vorgenommen, nicht alles mit meinem üblichen Sarkasmus zu hinterfragen.
Meine Freizeit ist weiterhin abwechslungsreich, sodass es neben Fußball spielen, Feiern, FIFA spielen und anderen Aktivitäten gleich zwei weitere Highlights in den letzten Wochen erleben durfte. Das eine war der zum "Reserva Cientifica Salcedoa" organisierte Ausflug mit den anderen Freiwilligen und das andere ein erster Wochenendausflug an die Küste. Während der Bergausflug eine relativ anstrengende Angelegenheit war, der unter anderem auch meine Zara-Hose zum Opfer fiel (s. Fotos), genoss ich den erholsamen Wochenendausflug sehr: Nach einiger Verspätung fuhren wir um 11 Uhr am Freitag los (hier hatte man bemerkt, dass wir uns schon ein wenig an die dominikanische Zeitrechnung angepasst hatten. Es wurde kein fester Zeitplan ausgemacht, sondern eher Aussagen in Richtung von "Ich komme dann, wenn ich fertig mit Frühstücken bin" oder "Ich hole noch Sachen und mache mich dann auf den Weg" getätigt. Nach viermaligem Umsteigen (s. Karte) (welche jedoch sehr simpel vonstatten gingen) kamen wir dann im kleinen Küstenort "Rio San Juan" an, welcher der Ausgangspunkt der nächsten zwei Tage sein sollte. Auch hierzu habe ich ein kleines Fotoalbum bei flickr hochgeladen, welches typische "Karibikbilder" beinhaltet, u.A. auch ein Bild einer von mir (!) gespaltenen Kokosnuss. Das davor entstandene zweiminütige Video, welches mich beim verzweifelten Rumwerfen eben jener Kokosnuss zeigt (unterlegt mit bissigen Kommentaren des Filmers) präsentiere ich jedoch lieber nicht der Öffentlichkeit. :)
Sonst gibt es nicht allzu viel zu erzählen. Am Freitag werde ich wohl nach dreimaligem Verschieben endlich in die deutsche Botschaft nach Santo Domingo fahren und die nächsten Wochenenden sind mit einem geplanten Ausflug nach Santiago und meinem Geburtstag auch gut gefüllt. Desweiteren wurde jetzt endlich ein Hotel auf Kuba gebucht sodass meinem Urlaub im Januar nichts mehr im Wege steht und auch die Besuche meiner Familie nehmen langsam Gestalt an.
Wie dem auch sei, nach fast einem Monat wurde es meiner Meinung mal wieder Zeit für einen Eintrag. Das Leben bleibt weiterhin facettenreich auch wenn der Eintag allmählich Einzug findet. Bezüglich meiner Arbeit habe ich nicht wirklich neue Informationen, außer dass ich bald jeden Mo, Di & Mi eine Art "Ökologie Klub" an verschiedenen Gymnasien in Villa Tapia führen werde. Jeder der mich kennt wird wissen, dass ich mit solchen Themen eigentlich wenig bis gar nichts am Hut habe, aber da ich innerhalb dieses Kurses machen kann was ich will, ist Reiz durchaus gegeben. Was ich Do & Fr machen werde ist weiterhin nicht klar, aber mein Vorschlag eines Englischkurses stieß zumindest nicht auf vollkommene Ablehnung (wobei das hier nicht viel zu heißen hat).
Dieses immer noch anwährende "Herumlungern" ist zwar teilweise ein wenig störend, aber bisher noch nicht dramatisch. Da ja ein Fortschritt bezüglich meiner Arbeit (bisher wurde nur mit Lehrern, dem Senat et cetera besprochen wann/wie/etc man die Idee umzusetzen hat) zu sehen ist, bin ich da auch weiterhin optimistisch gestimmt. Ich sehe zwar nicht, wie sich 15-17-jährige Jugendliche motivieren lassen sollen, sich in ihrer Freizeit von einem 19-jährigem Deutschen (der des Spanischen weiterhin nicht ansatzweise mächtig ist) die unfassbar aufrüttelnden Themen "Recycling", "Wiederaufforstung" und "Mülltrennung" erläutern zu lassen, aber ich habe mir vorgenommen, nicht alles mit meinem üblichen Sarkasmus zu hinterfragen.
Meine Freizeit ist weiterhin abwechslungsreich, sodass es neben Fußball spielen, Feiern, FIFA spielen und anderen Aktivitäten gleich zwei weitere Highlights in den letzten Wochen erleben durfte. Das eine war der zum "Reserva Cientifica Salcedoa" organisierte Ausflug mit den anderen Freiwilligen und das andere ein erster Wochenendausflug an die Küste. Während der Bergausflug eine relativ anstrengende Angelegenheit war, der unter anderem auch meine Zara-Hose zum Opfer fiel (s. Fotos), genoss ich den erholsamen Wochenendausflug sehr: Nach einiger Verspätung fuhren wir um 11 Uhr am Freitag los (hier hatte man bemerkt, dass wir uns schon ein wenig an die dominikanische Zeitrechnung angepasst hatten. Es wurde kein fester Zeitplan ausgemacht, sondern eher Aussagen in Richtung von "Ich komme dann, wenn ich fertig mit Frühstücken bin" oder "Ich hole noch Sachen und mache mich dann auf den Weg" getätigt. Nach viermaligem Umsteigen (s. Karte) (welche jedoch sehr simpel vonstatten gingen) kamen wir dann im kleinen Küstenort "Rio San Juan" an, welcher der Ausgangspunkt der nächsten zwei Tage sein sollte. Auch hierzu habe ich ein kleines Fotoalbum bei flickr hochgeladen, welches typische "Karibikbilder" beinhaltet, u.A. auch ein Bild einer von mir (!) gespaltenen Kokosnuss. Das davor entstandene zweiminütige Video, welches mich beim verzweifelten Rumwerfen eben jener Kokosnuss zeigt (unterlegt mit bissigen Kommentaren des Filmers) präsentiere ich jedoch lieber nicht der Öffentlichkeit. :)
Sonst gibt es nicht allzu viel zu erzählen. Am Freitag werde ich wohl nach dreimaligem Verschieben endlich in die deutsche Botschaft nach Santo Domingo fahren und die nächsten Wochenenden sind mit einem geplanten Ausflug nach Santiago und meinem Geburtstag auch gut gefüllt. Desweiteren wurde jetzt endlich ein Hotel auf Kuba gebucht sodass meinem Urlaub im Januar nichts mehr im Wege steht und auch die Besuche meiner Familie nehmen langsam Gestalt an.
Montag, 3. Oktober 2011
4. Ein Zwölftel schon vorbei
Wie mir Lisa vorhin mitteilte, haben wir bereits den ersten Monat hinter uns gebracht. Schwer vorzustellen, wie schnell die Zeit verging.
Ein guter Anlass also, mal wieder von sich hören zu lassen. Nachdem ich also gerade mit einem Nachbarkind ein wenig Englisch gelernt habe (auch hier wieder ein denkwürdiger Moment, wie so oft: In einem Arbeitsheft sollte sie mit "Yes" oder "No" auf die Frage antworten, welche von den gezeigten Dingen sie besitze. Die Abbildungen zeigten eine Kamera, einen Computer, einen Fernseher, eine Armbanduhr et cetera. Während sie (außer beim Fernseher) jedes mal ein dickes "No" runtersetzte, hatte ich mal wieder das mulmig-unschöne Gefül, wie "gut" es mir doch wirklich geht), ging ich nach Hause um erneut ein wenig über das kunterbunte Treiben hier zu berichten:
Denn, ja, es gibt mal wieder viel zu erzählen. Aber chronologisch: In den letzten zwei Wochen ging ich vormittags immer in eine Art Gymnasium um dort einen Einblick in das Alltagsleben an einer dominikanischen staatlichen (!) Schule zu bekommen. Was soll ich sagen; es ist laut, ungeplant und - so drastisch muss man es leider sagen - einfach schlechter Unterricht. Jedenfalls, was ich erleben durfte. Die Art des Unterrichtes hängt stark vom Lehrer ab. Ist er autoritär, wird still gesessen und befolgt, was er für Anweisungen gibt. Ist er es nicht, wird gebrüllt, mit Sachen geworfen, aus dem Klassenzimmer gegangen, Rangeleien angefangen, den Lehrerinnen an den Hüftspeck gepackt etc pp. Ich hatte das Vergnügen 3x Französischunterricht zu erleben und habe in dieser Zeit nicht ein französisches Wort gehört, da sich die Lehrerin vorne mit den Schülern unterhalten hatte und der Rest so ziemlich alles mögliche machte, nur eben nicht zuhören. Wenn es dann aber mal ein Lehrer schafft, die Schüler ruhig zu halten, ist der Unterricht auch nicht unbedingt besser. In Chemie durfte ich die gute Dame verbessern, da diese die "CH3"-Gruppen in die Mitte einer Kette und die "CH2"-Gruppen an das Ende einer Verbindung packte und in Spanisch durfte ich mir 30x (von jedem Schüler einmal) die gleiche auswendig gelernte Definition einer "freien Diskussion" anhören. Eine Definition zu einer freien Diskussion auswendig lernen ist an sich schon so absurd, dass ich die Ironie dieser Tatsache glaube ich gar nicht mehr groß ansprechen brauche. :) Auch geht hier die Schule nur von 8.00 - 12.20, da dem Bund die finanziellen Mittel fehlen und um 13.00 schon der nächste Block an Schülern angerollt kommt. Da soll sich nochmal jemand über das deutsche Schulsystem beschweren.
PS.: Neue Fotos wurden hochgeladen! :)
Am Donnerstag vor zwei Wochen durfte ich dann auch zum ersten Mal eine Politikveranstaltung erleben. Ich bin um 11 von der Schule gegangen, da in der Nähe der nächste Präsidentschaftskandidat der PLD (eine der zwei großen Parteien hier) erscheinen sollte um dort eine Rede zu halten: Danilo Medina. Viel verstanden habe ich leider nicht, aber das drumherum war herrlich anzuschauen. Es wurde getrommelt, getanzt, gesungen, gefeiert - und alle waren in den Parteifarben (lila & gelb) gekleidet. Außer mir natürlich, denn mein Entschluss, diese Veranstaltung zu besuchen, kam ja relativ spontan. Dass ich dann aber natürlich ausversehen auch noch die Farben der ärgsten Konkurrenzpartei trug (blau & weiß), sorgte für zusätzliche Verwunderung.
Das Wochenende (23.9-25.9) war dann vollgepackt mit Ausflügen. Am Samstag ging es mit Freunden zuerst Essen, dann in einer Art Motorradkarawane (zu 11 auf 5 Motorrädern. Was passt hier nicht? Richtig, Monika, Ich und ein dominikanischer Freund durften zu dritt auf ein Motorrad. Hatte schon mal geräumigere Fahrgelegenheiten :) ) in ein Schwimmbad und letztendlich dann Feiern in Salcedo. Am darauffolgenden Sonntag ging es dann nach sehr, sehr wenig Schlaf um sechs Uhr aus den Betten, denn es stand der erste Ausflug an das Meer auf dem Tagesplan. Viel gibt es dazu nicht zu sagen, außer dass es ein sehr schöner Tag war. Am Nachmittag wurde mir dann jedoch fast noch die Laune verdorben. Wir waren zum Abschluss noch an einem weiteren Fluss gefahren und ich wurde prompt von einem angetrunkenen Dominikaner in ein Gespräch gewickelt. Nach dem üblichen Smalltalk wollte mir der gute Mann dann seine Cousine andrehen und ließ sie dann sogar von zwei Männern herschleppen. Ich habe mich selten so unwohl gefühlt. Diese Cousine wollte offensichtlich nicht mit mir reden (genauso wenig wie ich mit ihr), wurde aber von ihrem Onkel hergeschleppt, damit ich diese dann heiraten und sie mit mir eine bessere Zukunft haben kann. Wie auf einem Kamelmarkt wurde mir das Mädchen (circa 15 Jahre alt) dann angeboten, sodass es mir irgendwann zu viel wurde und ich einfach weggeschwommen bin. Diese Verhaltensweise (des Wegdrehens/Ignorierens) muss man hier oft an den Tag legen, da man teilweise schon sehr oft und penetrant nach Geld/Alkohol oder eben sonstigen materiellen Dingen gefragt wird. Hierbei darf man dann aber natürlich auch nicht den dominikanischen Stolz verletzen, sodass es immer ein kleiner Drahtseilakt ist, nicht zu europäisch-arrogant aber eben auch nicht zu verschüchtert zu wirken.
Sonst ist nicht all zu viel passiert. Ich hatte in der darauffolgenden Woche angefangen Fußball zu spielen, war Pokern, Abendessen mit den anderen Freiwilligen und unserem Spanischlehrer und hatte dann noch einen dominikanischen Freund besucht, der einen Autounfall hatte. Ihm geht es gut nur der anderen beteiligten Person nicht wirklich. Gerüchten zu Folge ist diese Person in der letzten Nacht nämlich ihren Verletzungen erlegen, was gleichbedeutend heißt, dass ich mich (und andere Personen auch nicht) momentan nicht in die Nähe von meinem dominikanischen Freund begeben sollte, da die Lage hier in Villa Tapia recht angespannt ist. Niemand weiß so recht (oder will es einem nicht sagen), was bei diesem Unfall tatsächlich passiert ist, aber eine Mischung aus Alkohol und fehlenden Sicherheitsbestimmungen (->Helmpflicht?) wird es wahrscheinlich gewesen sein.
Das letzte Wochenende waren wir dann mal wieder feiern, diesmal in Moca, einer etwas weiter entfernten Stadt. Wir haben es verwunderlicherweise geschafft, 8(!) Personen in ein Auto zu quetschen. Ein Auto, welches auch nicht sonderlich viel geräumiger als der Fiat Panda meiner Mutter ist. Auch hier wieder: Ich bin schon mal geräumiger gefahren, aber lustig war es auf jeden Fall. Worte über den Abend will ich auch gar nicht verlieren, nur dass es mich teilweise stark an die Berliner Mittwochabende im Q-Dorf oder auch die Abifahrt nach Lloret erinnert hat. :)
Genauere Informationen zum Projekt habe ich leider weiterhin nicht, aber die werde ich wohl morgen bekommen. Bis dahin, liebe Grüße!
PS.: Neue Fotos wurden hochgeladen! :)
Dienstag, 20. September 2011
3. Die ersten zwei Wochen
Ich sitze hier gerade auf der Veranda bei weiter unangenehm schwülen Temperaturen. Zu allem Überfluss hat sich vor 3 Tagen auch noch mein heißgeliebter Ventilator verabschiedet (-> kaputt), was die Schlafsituation nicht unbedingt simpler macht. Dennoch muss man sagen, dass ich mich zumindest ein wenig akklimatisiert habe. Die Mosquitostiche haben meine Beine mittlerweile komplett verschandelt aber auch diese nehmen (glaube ich) ein wenig ab.
Die letzten Tage waren weiterhin vollgepackt und erlebnisreich. So durfte ich am Mittwoch zum ersten Mal mit Kakaopflanzen und Zuckerrohr in Berührung kommen, am Donnerstag in der nächstgrößeren Stadt Santiago de los Caballeros umherwandern, am Freitag im wunderschönen Fluss "Ojo de Agua" schwimmen, Samstag Salcedo am Abend kennen lernen (inklusive irgendwelcher Warnschüsse gegen Mitternacht) sowie gestern das Nachtleben von Villa Tapia ein wenig kennen lernen. Gerade letzteres findet nämlich ein wenig anders statt, als man es von Berlin gewohnt ist. Bevor man sich zu Clubs oder sonstige Aktivitäten aufmacht, trifft sich die gesamte Jugend nämlich nicht bei irgendwelchen Leuten Zuhause oder in einzelnen Gruppen in der ganzen Stadt verteilt, sondern am zentralen Platz ("el parque"), der von Bars, Restaurants und Billardtischen gesäumt ist. Musik wird entweder in den anliegenden Bars abgespielt, oder man wird von den externen & riesigen Autoboxen der SUVs beschallt, die sich vielfach auf dem Platz befinden. Gespielt wird eine relativ angenehme Mischung aus Qdorf-Musik und Reggaeton/Merengue. Man gewöhnt sich eben doch irgendwie an alles. Dass ich mich mal freuen würde, ein David Guetta - Lied zu hören, hätte ich mir vor einem Monat auch noch nicht gedacht. Allgemein ist Musik hier sowieso sehr präsent. Sei es Merengue/Bachata-Musik aus den überall präsenten kleinen Straßenläden oder die House/Electro/Reggaeton-Mischung von den riesigen Lautsprecherboxen der vielen Autos hier. Ob am Fluss, in der Stadt oder Zuhause - Musik nimmt hier meines Erachtens nach einen viel höheren Stellenwert ein als in Deutschland.
Das war es auch erstmal wieder. Ich könnte noch so viel schreiben, sei es über die bereits von mir bemerkten schwierigen Verhältnisse zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik, meine erste Guagua-Fahrt, meine Familienverhältnisse, meine immer noch grausamen Spanischkenntnisse etc. pp. Aber ich merke schon, wie meine Motivation diesen Blog zu betreiben - wie erwartet - leicht sinkt. :) Außerdem prasseln hier in den ersten Wochen noch so viele Eindrücke auf einen ein, dass es noch ein wenig dauern wird, bis man diese eingeordnet und verarbeitet hat. Desweiteren will man ja auch nicht seine fleißigen Leser (vielen Dank für die vielen positiven Kommentare bei facebook/im Kommentarbereich/per Email et cetera) mit zuviel Text vergraulen.
Dienstag, 13. September 2011
2. Die erste Woche
Die erste Woche ist rum und ich habe mich mittlerweile schon ein wenig besser eingelebt. Die Vegetation erstaunt mich zwar jeden Tag aufs Neue, aber das ständige Hupen/Merengue-Musik/sonstige Unterschiede nehme ich nun schon weniger verblüfft zur Kenntnis. Die Hitze bleibt mehr oder weniger ein Albtraum und auch die mir versprochen Klimaanlagen, die sich in jedem Haus/öffentlichem Gebäude befinden sollten, habe ich bisher nicht gefunden. :) Ventilatoren helfen zwar teilweise, richtig angenehm machen sie die Luft aber dennoch nicht. Die oft als Klischee abgestempelte "Gelassenheit" der Dominikaner habe ich jedoch schon in der ersten Woche oftmals erleben dürfen. Ein kleiner Auszug: Vergangener Sonntag.
Sitze recht gemütlich bei der Cafeteria meiner Gastmutter (bzw. vegetiere in der Hitze dahin) bis auf einmal ein Auto anhält in welchem sich Monika und ein Freund der Gastfamilie Monikas befinden. Nach einem kurzen "Plausch" werden wir zwei dann eingeladen, doch zu Freunden des Typen in Villa Tapia zu fahren.
Erstes Problem: Das Auto hat nur Platz für zwei Personen. Lösung: Ich springe einfach auf die Heckfläche. Zweites Problem: Das Auto springt nicht an. Lösung: Ich schiebe das Auto an und Personen, die zufällig vorbeiwandern, packen - ohne zu Zögern - gleich mit an. Nachdem die Starthilfe also geklappt hat sitze ich auf der Ladefläche und fahre durch Villa Tapia. An Ampeln werde ich teilweise von lachenden und abwinkenden Dominikanern oder von irgendwelchen Kusshänden begrüßt. Als "rubio" fällt man eben doch irgendwie auf, vorallem wenn man sich auf der Ladefläche eines in Deutschland wahrscheinlich als nicht mehr straßenverkehrstauglich eingestuften Autos befindet. Dieses "Auffallen" kann teilweise recht unangenehm sein, da man - sobald man ein Restaurant/Tankstelle/etc. betritt - merkt, dass alle Augenpaare auf einen gerichtet sind. Als Junge ist das noch okay, aber als Mädchen werden einem dann teilweise noch Kommentare hinterher gerufen. Gewöhnungssache.
In der Wohnung angekommen, wurden wir sofort mit einem Glas Saft und vielen Fragen begrüßt. So wurde mir gleich mitgeteilt, dass ich beim nächsten Male doch zum FIFA spielen vorbeikommen soll und zur abendlichen Pokerrunde wurde ich gleich mit eingeladen. Nach einiger Zeit (~3h) machten wir uns dann auf den Weg, da ein Freund der Familie in eine Nachbarstadt musste. Also zu siebt in einen Kleinbus gequetscht und bei lauter Musik losgefahren. Zum Fahrstil muss ich glaube ich nicht viel sagen. Gurtpflicht und Helmpflicht gelten hier genau so wenig wie Tempolimits, Fahrstreifenbegrenzungen oder sonstige Hindernisse. Wenn man sich gerade auf der Fahrspur des Gegenverkehrs befindet und einem ein Motorrad befindet, wird dieses eben links umfahren, sodass man sich fast auf dem Bürgersteig der gegenüberliegenden Seite befindet. Es ist glaube ich kein großes Wunder, dass die Todesrate durch Verkehrsunfälle sehr viel höher liegt als in Deutschland. Lustig ist es aber auf jeden Fall, da natürlich bei jeder Gelegenheit das Radio aufgedreht und laut gesungen und getanzt (ja, im Auto wird auch getanzt. Keine Ahnung wie, aber irgendwie scheint es zu funktionieren) wird.
Regúeton wird hier bei den meisten jungen Leuten klar bevorzugt (Ein Beispiel: http://www.youtube.com/watch?v=AAVfU0Mz66w&feature=related). Jeder der mich ein wenig kennt, wird wissen, wie gerne ich diese Art von Musik höre. Aber auch an sowas gewöhnt man sich relativ schnell. Momentan werden wir vier Freiwilligen noch relativ oft von einem Mitarbeiter der hiesigen Organisation rumgefahren, der lieber the Police, Nirvana et cetera hört. Daher ist die Umgewöhnung noch nicht ganz so schwer. :)
Eben jener Fahrer, Tito ist sein Name, wurde in den ersten Tagen von einer Freiwilligen aus Versehen konsequent "Toto" genannt, was eine wenig schmeichelhafte Umschreibung der weiblichen Genitalien ist. Beschwert hat er sich jedoch nicht im Geringsten, was ein wenig zeigt, wie viel Geduld einem teilweise entgegen gebracht wird. Auch als wir an einem Sonntag zu siebt in einem Restaurant saßen, wurde mein Teller so lange in Ruhe gelassen, bis ich die anderen Personen "gebeten" habe, sich auch von meinem Teller zu bedienen. Hier wird nämlich alles geteilt. D.h., dass während des Essens dauernd irgendwelche Finger auf anderen Tellern landen, um mal von hier und mal von dort zu probieren. Erstaunlicherweise macht es mir aber nicht allzu viel aus, während ich in Deutschland Leute schon böse angucke, wenn sie sich auch nur eine/n Pommes angeln wollen. Meinen gut gemeinten Versuch, hier in der Dominikanischen Republik wieder Fleisch & Fisch zu essen ist leider hingegen bereits in der ersten Woche nach einer Sardelle und ein paar Hühnerknochen gescheitert. So ein großes Problem scheint dies hier aber nicht zu sein, da genügend vegetarische Alternativen vorhanden sind.
Sonst gibt es nicht allzu viel zu erzählen. Die Wassersituation in meinem Haus ist weiterhin nicht ideal (teilweise gar kein Wasser für einen halben Tag, was bei diesem Klima schon wirklich schwierig ist), aber da wird man sehen, was die nächsten Wochen bringen. Morgen wird sowieso spannend werden, da mal wieder ein Streik wegen zu hoher Lebensmittelpreise, ansteigender Arbeitslosigkeit etc. angekündigt wurde. D.h., dass man manche Teile der Stadt nicht mehr betreten darf, da dort brennende Autoreifen, Warnschüsse etc. abgefeuert werden. Sowieso laufen hier relativ viele Bürger mit einer Waffe rum - auch eine Sache, an die man sich erst gewöhnen muss. :)
Die ersten Fotos habe ich jetzt sogar auch hochgeladen. Vermitteln nicht viel, aber zumindest ein erster Eindruck. :)
Sitze recht gemütlich bei der Cafeteria meiner Gastmutter (bzw. vegetiere in der Hitze dahin) bis auf einmal ein Auto anhält in welchem sich Monika und ein Freund der Gastfamilie Monikas befinden. Nach einem kurzen "Plausch" werden wir zwei dann eingeladen, doch zu Freunden des Typen in Villa Tapia zu fahren.
Erstes Problem: Das Auto hat nur Platz für zwei Personen. Lösung: Ich springe einfach auf die Heckfläche. Zweites Problem: Das Auto springt nicht an. Lösung: Ich schiebe das Auto an und Personen, die zufällig vorbeiwandern, packen - ohne zu Zögern - gleich mit an. Nachdem die Starthilfe also geklappt hat sitze ich auf der Ladefläche und fahre durch Villa Tapia. An Ampeln werde ich teilweise von lachenden und abwinkenden Dominikanern oder von irgendwelchen Kusshänden begrüßt. Als "rubio" fällt man eben doch irgendwie auf, vorallem wenn man sich auf der Ladefläche eines in Deutschland wahrscheinlich als nicht mehr straßenverkehrstauglich eingestuften Autos befindet. Dieses "Auffallen" kann teilweise recht unangenehm sein, da man - sobald man ein Restaurant/Tankstelle/etc. betritt - merkt, dass alle Augenpaare auf einen gerichtet sind. Als Junge ist das noch okay, aber als Mädchen werden einem dann teilweise noch Kommentare hinterher gerufen. Gewöhnungssache.
In der Wohnung angekommen, wurden wir sofort mit einem Glas Saft und vielen Fragen begrüßt. So wurde mir gleich mitgeteilt, dass ich beim nächsten Male doch zum FIFA spielen vorbeikommen soll und zur abendlichen Pokerrunde wurde ich gleich mit eingeladen. Nach einiger Zeit (~3h) machten wir uns dann auf den Weg, da ein Freund der Familie in eine Nachbarstadt musste. Also zu siebt in einen Kleinbus gequetscht und bei lauter Musik losgefahren. Zum Fahrstil muss ich glaube ich nicht viel sagen. Gurtpflicht und Helmpflicht gelten hier genau so wenig wie Tempolimits, Fahrstreifenbegrenzungen oder sonstige Hindernisse. Wenn man sich gerade auf der Fahrspur des Gegenverkehrs befindet und einem ein Motorrad befindet, wird dieses eben links umfahren, sodass man sich fast auf dem Bürgersteig der gegenüberliegenden Seite befindet. Es ist glaube ich kein großes Wunder, dass die Todesrate durch Verkehrsunfälle sehr viel höher liegt als in Deutschland. Lustig ist es aber auf jeden Fall, da natürlich bei jeder Gelegenheit das Radio aufgedreht und laut gesungen und getanzt (ja, im Auto wird auch getanzt. Keine Ahnung wie, aber irgendwie scheint es zu funktionieren) wird.
Regúeton wird hier bei den meisten jungen Leuten klar bevorzugt (Ein Beispiel: http://www.youtube.com/watch?v=AAVfU0Mz66w&feature=related). Jeder der mich ein wenig kennt, wird wissen, wie gerne ich diese Art von Musik höre. Aber auch an sowas gewöhnt man sich relativ schnell. Momentan werden wir vier Freiwilligen noch relativ oft von einem Mitarbeiter der hiesigen Organisation rumgefahren, der lieber the Police, Nirvana et cetera hört. Daher ist die Umgewöhnung noch nicht ganz so schwer. :)
Eben jener Fahrer, Tito ist sein Name, wurde in den ersten Tagen von einer Freiwilligen aus Versehen konsequent "Toto" genannt, was eine wenig schmeichelhafte Umschreibung der weiblichen Genitalien ist. Beschwert hat er sich jedoch nicht im Geringsten, was ein wenig zeigt, wie viel Geduld einem teilweise entgegen gebracht wird. Auch als wir an einem Sonntag zu siebt in einem Restaurant saßen, wurde mein Teller so lange in Ruhe gelassen, bis ich die anderen Personen "gebeten" habe, sich auch von meinem Teller zu bedienen. Hier wird nämlich alles geteilt. D.h., dass während des Essens dauernd irgendwelche Finger auf anderen Tellern landen, um mal von hier und mal von dort zu probieren. Erstaunlicherweise macht es mir aber nicht allzu viel aus, während ich in Deutschland Leute schon böse angucke, wenn sie sich auch nur eine/n Pommes angeln wollen. Meinen gut gemeinten Versuch, hier in der Dominikanischen Republik wieder Fleisch & Fisch zu essen ist leider hingegen bereits in der ersten Woche nach einer Sardelle und ein paar Hühnerknochen gescheitert. So ein großes Problem scheint dies hier aber nicht zu sein, da genügend vegetarische Alternativen vorhanden sind.
Sonst gibt es nicht allzu viel zu erzählen. Die Wassersituation in meinem Haus ist weiterhin nicht ideal (teilweise gar kein Wasser für einen halben Tag, was bei diesem Klima schon wirklich schwierig ist), aber da wird man sehen, was die nächsten Wochen bringen. Morgen wird sowieso spannend werden, da mal wieder ein Streik wegen zu hoher Lebensmittelpreise, ansteigender Arbeitslosigkeit etc. angekündigt wurde. D.h., dass man manche Teile der Stadt nicht mehr betreten darf, da dort brennende Autoreifen, Warnschüsse etc. abgefeuert werden. Sowieso laufen hier relativ viele Bürger mit einer Waffe rum - auch eine Sache, an die man sich erst gewöhnen muss. :)
Die ersten Fotos habe ich jetzt sogar auch hochgeladen. Vermitteln nicht viel, aber zumindest ein erster Eindruck. :)
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