Samstag, 28. Januar 2012

8. Samaná, Kuba & ein bisschen Arbeitsalltag.

Und mal wieder ein Blogeintrag. Diesmal, um euch über die Geschehnisse des letzten Monats zu informieren. Der Dezember im Allgemeinen ist ein eher gemächlicher Monat und auch viele Dominikaner wechseln den sonst so von Arbeit und Hektik (…) geprägten Alltag gegen ein wenig Entspannung. Mir als totalem Arbeitstier kam das natürlich recht gelegen und so vertrieb ich mir die Zeit mit nichtigen Dingen. Eine davon war der Ausflug nach Samaná, eine Halbinsel im Nordosten der Dominikanischen Republik. Ursprünglich wollte ich mich darüber detailliert äußern, sowohl Muße als Zeit sind mir jedoch abhanden gekommen, sodass ich mich nur noch zu einem kleinen Fazit äußern kann:
a)      - Ich habe die bisher schönsten Strände gesehen, die ich jemals erblicken sollte
b)      - Ich bin wesentlich mehr gelaufen, als ich eigentlich vorhatte
c)       - Fotos siehe flickr
d)      .
Ja. Der Urlaub bestand im Wesentlichen aus Wandern (zum Strand hin), Schwimmen (am Strand), Wandern (vom Strand zum Hostel) und Schlafen (immer weit weg vom Strand – mal im Zelt auf angenehmen Baumwurzeln, mal in überfüllten Hostels auf dem Boden)
Und hier noch ein Video von einem der Strände, den wir gesehen haben. Wir haben jedoch nicht die angenehme Bootstour gebucht, sondern sind 1,5h zu Fuß durch den Dschungel gewandert. Bitte nicht von den übermotivierten Engländern beeinflussen lassen. Einer der beeindruckendsten Strände, die ich bis dato gesehen habe. 
Die Strände im Allgemeinen sind meist so, wie man sie sich in seinen kühnsten Träumen vorstellt. Weißer Sand, türkisfarbenes Wasser, wenige/keine Menschen. Alles in allem ein traumhafter Urlaub.

Nach dieser sehr erholsamen Erfahrung ging es dann wieder zurück in unsere „Heimatstadt“. Dort stand Anfang Januar eine Art Wiederaufforstungsaktion in der bereits einmal von mir erwähnten „Reserva Cientifica Salcedoa“ an. Leider hatte es sowohl in den Tagen zuvor als auch zwischendurch relativ heftige monsunartige Regenfälle gegeben, sodass ich nun endlich herausfinden konnte, dass der Spruch „bis zu den Knien im Matsch versinken“ leider keine symbolisch gemeinte Effekthascherei darstellt.  Unklugste Entscheidung bis hierher, diesen dämlichen Berg wieder hochzulatschen. Ich war während dieser äußerst vergnüglichen 4h (1,5h hoch, 2,5h runter) entweder am Rutschen auf – ,stecken im- ,oder am Fluchen über den  „Treibmatsch“.
Nach diesem Ausflug ging es dann zurück an die Arbeit. Meine Ökologieclubs versuche ich gerade wieder zu motivieren (Mo Nachmittags, Di Morgens, Mi Nachmittags) und auch die Arbeit in einem Kindergarten (Mi,Do,Fr Morgens) habe ich nun angefangen. Angereichert mit wöchentlichen Organisationstreffen und sonstigen Sachen habe ich nun einen ansprechenden Arbeitsplan. Ausführliches zur neuen Arbeit, der Arbeit im Kindergarten, schreibe ich vielleicht in einem anderen Bericht. Grob gesagt kann man diesen Kindergarten als kostenlose Einrichtung für Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen titulieren. Heißt, falls die Mütter/Kinder geschlagen werden, Eltern geschieden, es unklare Finanzverhältnisse etc. gibt, gibt es die Möglichkeit, für ein wenig Entlastung zu sorgen, indem man die Kinder jeden Tag morgens in die Obhut eben jenes „Centros“ gibt.

Am  19. Januar ging es dann für mich Richtung Kuba, wo ich mich mit zwei Freunden treffen sollte. Ich hatte viel erwartet, aber bereits der erste Eintrag in der größten Zeitung Kubas, (der über die guten Beziehungen zwischen Venezuela, Kuba und dem Iran philosophiert) machte mir klar, dass dies ein anderer "Urlaub" werden sollte. So genoss ich 7 Tage und Nächte die wunderschöne Architektur (Kolonialbauten neben "Ostblockhochhäusern"), die fahrenden Museen (Chevrolets aus den 40ern und 50ern neben Ladas und anderen russischen Autos aus den 80ern, daneben ein paar neue Renaults und VWs) und den Scheinsozialismus, der einem von jeder Ecke entgegen springt. Wir hatten das Glück mit ein paar Kubanern ins Gespräch zu kommen (normalerweise ist es Kubanern verboten mit Touristen zu sprechen, bzw. sie drehen sich sofort weg, sollte sich ein Polizeiauto nähern), die uns ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit der "sozialistischen" Lebensweise mitgaben. Befanden wir uns an einem Abend in der Wohnung eines - im Monat 20Euro verdienenden- Fabrikarbeiters, der uns unter Tränen beichtete, dass seine einzige Hoffnung der Tod der Gebrüder Fidels sei, so waren wir an einem anderen Abend auf einer Studentenfeier wo uns die Studenten die Vorzüge des politischen Systems versuchten nahe zu bringen. Kuba, bzw. Havanna ist so eine interessante Stadt, dass ich meine Erlebnisse gar nicht in einem Blogeintrag packen könnte, ohne ausufernd zu werden. Nur 2h Flugzeit von der Dominikanischen Republik entfernt und doch ganz, ganz anders. Nicht nur, was das politische System angeht, sondern auch was die Offenheit der Leute, die soziale Gleichstellung der Geschlechter, den nicht existierenden Rassismus aber auch die Verbitterung der Menschen. "In Kuba verhungert niemand", wurde uns von einem regimekritischen Kubaner gesagt, "aber die Menschen leben lediglich um zu überleben"


So verbrachten wir also die Tage in den verschiedensten Museen, den kleinen Gassen und im bekannten "Hotel Nacional", und die Nächte u.a. am Malecon während hinter uns die Patrouillenschiffe der Marine das Meer nach flüchtenden Kubanern absuchte. Klingt alles überzogen und pathetisch, ist aber einfach Realität. In keinem Land habe ich bisher so Politik erfahren dürfen wie in Kuba. Die gesamte Geschichte spiegelt sich in der Architektur, den Museen, den Autos etc ab. Von den wilden 50ern, wo scheinbar ganz Amerika vor der Prohibition flüchtete und in Kuba einen passenden Ort für wilde Exzesse fand, nach den 60er Jahren in der die Beziehungen mit dem kommunistischen Block Einfluss auf Architektur und Autos fand, bis hin zu dem heutigen Zeitpunkt, wo Kuba -notgedrungen durch den Fall der Sowjetunion- sich dem Tourismus öffnen musste. 


Durch diese Öffnung ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch Kuba sich dem Kapitalismus beugen muss. Da hilft es auch nichts, dass die Menschen in Havanna zu 90% nichts von der arabischen Revolution oder sonstigen Dingen mitbekommen haben. In einem Land, in dem Kellner durch Trinkgeld teilweise pro Woche mehr verdienen als Lehrer im ganzen Monat, kämpft jeder Kubaner um eben solches "Hartgeld" und sonstige Einnahmen, die er nicht sofort "dem alten Mann mit dem Bart" geben muss. Und so leistete auch ich meinen winzigen Beitrag zur Destabilisierung des Systems, in dem ich dem Taxifahrer am Flughafen am letzten Tag meiner Reise 25CUC (~18 Euro) für "die Regierung" , und 5 Euro für den Taxifahrer gab, der mit dieser Fahrt somit mehr verdient hat als der bereits von mir angesprochene Fabrikarbeiter in einer Woche.


Neue Fotos wurden natürlich hochgeladen! 

2 Kommentare:

  1. Hola chico,supongo que tu castellano ha mejorado mucho en el ultimo tiempo y espero escucharte hablar sin errores...nada es una broma,el idioma es al fin y al cabo lo menos importante,siempre tendras como hacerte entender,la experiencia es lo que cuenta y parece que en ese punto vas muy adelantado,un abrazo y que envidia ver tus fotos cubanas,cuantas ganas tengo yo de conocer esa isla....
    lorena,la profe de espanol.

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  2. immer wieder schön deinen blog zu lesen,muss dir recht geben das sich kuba bald sehr stark verändern wird, bin doch froh es noch zu zeiten fidels erlebt zu haben, vermutlich befinden sich dort in einigen jahren nur noch hotelbunker a la usa greetz rob

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